Regieren im 21. Jahrhundert

Zahlreiche Begriffe wie (New) Public Management, Governance oder Open Government prägen die Diskussion um die Weiterentwicklung des öffentlichen Sektors. Des Öfteren entsteht der Eindruck, dass es sich dabei um völlig neue Rezepte handelt, um die öffentliche Verwaltung zu gesunden. Diese Sichtweise beruht auf zwei Thesen, nämlich darauf, dass die öffentliche Verwaltung krank sei und Medizin brauche, und dass nur eine völlig neue Medizin helfe, welche mit früheren Rezepten nichts zu tun habe. Beides ist falsch! Die öffentliche Verwaltung funktioniert und die immer wieder gemessenen hohen Vertrauenswerte der BürgerInnen gegenüber der Verwaltung belegen dies. Sicherlich bedarf es einer Weiterentwicklung und Anpassung an die neuen Herausforderungen des gesellschaftlichen Wandels, der Globalisierung, des Klimawandels etc. Dafür ist aber keine völlig neue Medizin nötig. Im Gegenteil: Eine gerade durch das KDZ durchgeführte Evaluierung der Public Management-Reformen in Österreichs Städten zeigt, dass die durch die New Public Management-Reformen begonnene Steigerung der Wirtschaftlichkeit durch die Übernahme privatwirtschaftlich orientierter Managementinstrumente auch heute noch ihre Richtigkeit hat und durch Aspekte von Governance bis hin zu Open Government bereichert werden müssen.

Konkret heißt dies, dass die noch nicht vollständig umgesetzten Public Management-Reformen, wie beispielsweise Zielvereinbarungen, strukturierte Zusammenarbeit zwischen Politik und Verwaltung, Produkthaushalte und Qualitätsmanagement, weitergeführt werden müssen. Die neuen Ansätze von Governance und Open Government können helfen, diese Lücken durch Bürgereinbindung, Transparenz und modernen Kommunikationsmitteln zu schließen.

In diesem Heft konzentrieren wir uns auf ausgewählte Instrumente und Bereiche, welche in den nächsten Jahren von zentraler Bedeutung für die Weiterentwicklung des öffentlichen Sektors und des Regierens sein werden: Verantwortliches Regieren braucht eine verstärkte Zusammenarbeit von Politik und Verwaltung unter weitgehender Einbindung der BürgerInnen. Open Government zeigt, wie dies funktionieren kann und setzt dabei auf Transparenz mit Open Data und Kollaboration durch Social Media. Verantwortung ist auch im Umgang mit ausgegliederten Einrichtungen notwendig, welche im Sinne eines Gewährleistungsmanagements gesteuert werden müssen. Bürgerorientierung bleibt als zentrales Element der Public Management-Reformen bestehen. Es zeigt sich, dass modernes Bürgerservice als zentrale Anlaufstelle für die BürgerInnen immer wichtiger wird. All diese Veränderungen müssen von den MitarbeiterInnen ge- und ertragen werden. Die Wichtigkeit eines umfassenden Personalmanagements – auch hinsichtlich der Konsequenzen durch den demografischen Wandel – ist hier zu betonen.

Die Klammer des verantwortlichen Regierens bildet Qualitätsmanagement, welches in Form des Common Assessment Framework (CAF) eine Gesamtsicht der Organisation ermöglicht und deren Weiterentwicklung leitet.

erschienen in: 
Forum Public Management 2011, 2, S. 3
Jahr: 
2011