Raumtypen einer Stadtregion: Unterschiedliche Funktionen der Gemeinden als Herausforderung einer Stadtregion

In einer Stadtregion bestehen vielfältige Verflechtungen, wodurch einzelne Gemeinden unterschiedliche Funktionen übernehmen. Raumtypen dienen der Zusammenfassung von Gemeinden mit ähnlichen Merkmalsausprägungen.

Städtische und ländliche Räume bilden eng verflochtene Lebens- und Wirtschaftsräume. Insbesondere durch die erhöhte Mobilität infolge eines ausgebauten Verkehrsnetzes und dem verbesserten Angebot im Bereich des öffentlichen Verkehrs sind die Reisegeschwindigkeit höher und die Wege vermeintlich „kürzer“ geworden, wodurch zahlreiche Austauschprozesse stattfinden.

Vor diesem Hintergrund wurde das KDZ vom Österreichischen Städtebund beauftragt, ein Projekt zur Leistungssteuerung und -finanzierung durchzuführen. Schwerpunkte sind dabei

  • die kritische Betrachtung des derzeitigen Systems der kommunalen Leistungserbringung sowie deren finanzielle Auswirkungen auf die einzelnen Gemeinden einer Stadtregionen am Beispiel der Stadtregionen Innsbruck, Salzburg und Wiener Neustadt;
  • das Erstellen von Vorschlägen zur zukünftigen Ausgestaltung der Struktur, Steuerung und Finanzierung von kommunalen Aufgaben in Stadtregionen.

Die Studienergebnisse werden zum Österreichischen Städtetag 2013 präsentiert.

"Es gibt vielfältige Verflechtungen in einer Stadtregion."

Ein wesentlicher Schritt war hierbei die Bildung von Raumtypen, d.h., die Bildung von Funktionstypen der Gemeinden einer Stadtregion, welche auf die unterschiedlichen Verflechtungen und Funktionen Bezug nehmen. Hierauf soll im Nachfolgenden näher eingegangen werden.

Abb. 1: Übersicht Raumtypen
Quelle: KDZ: eigene Darstellung, 2013

Differenzierung des Leistungsangebotes

Bewohnerinnen und Bewohner von Stadt-Umland-Gemeinden nutzen häufig Infrastrukturen und Angebote der Zentren (z.B. ÖPNV, Arbeitsstätten bzw. Betriebsgebiete, Gesundheitseinrichtungen, Einkaufszentren, Sozialzentren), die peripheren Gemeinden hingegen bieten den Bewohnerinnen und Bewohnern der dicht besiedelten Gemeinden Raum für Erholung und Freizeitaktivitäten in der Natur. Je nach den lokalen Gegebenheiten und den spezifischen Schwerpunktsetzungen haben sich folglich die Leistungsangebote zunehmend differenziert und verschiedene Typen herausgebildet: Schulzentren, Tourismusgemeinden, Dienstleistungszentren, Industriegemeinden, Erholungsgemeinden, Gesundheitszentren, Kulturzentren, Einkaufsstädte, Veranstaltungs- und Unterhaltungsareale, Verkehrsknoten etc.

Unterschiedliche Funktionen

Die Gemeinden einer Stadtregion erfüllen unterschiedliche Funktionen und befinden sich in unterschiedlichem Ausmaß in Beziehung zu den anderen Gemeinden einer Stadtregion. Um sich dieser Ausgangssituation anzunähern, erfolgte in Vorbereitung des Österreichischen Städtetages 2013 eine Klassifizierung der Gemeinden nach Raumtypen. Im Zentrum steht dabei einerseits die Frage hinsichtlich der Bedeutung als Arbeitszentrum, andererseits wird starker Bezug auf die Verflechtungsbeziehung zwischen den Gemeinden genommen. Abbildung 1 zeigt die Definition der einzelnen Raumtypen anhand der Stadtregion Salzburg.

Der Typisierung liegen mehrere Indikatoren zugrunde:

  • die Gemeindegröße (Anzahl der Einwohnerinnen bzw. Einwohner absolut)
  • die Bedeutung als regionales Arbeitszentrum (Anteil der Arbeitsplätze an den wohnhaften Erwerbspersonen, Anzahl der Einpendlerinnen bzw. Einpendler)
  • die Intensität und Ausrichtung der räumlichen Beziehungen (Anteil der Auspendlerinnen bzw. Auspendler an den Erwerbspersonen, Anteil der Pendlerinnen bzw. Pendler ins Stadtregionszentrum an den Erwerbspersonen, Entfernung vom Stadtregionszentrum: Fahrzeit im motorisierten Individualverkehr)
Abb. 2: Gemeinden nach Raumtypen am Beispiel der Stadtregion Salzburg
Quelle: KDZ: eigene Darstellung, 2013

Raumtypen am Beispiel der Stadtregion Salzburg

Im Rahmen der oben genannten Studie zum Österreichischen Städtetag 2013 erfolgte eine exemplarische Darstellung der Raumtypen in den 3 Stadtregionen Innsbruck, Salzburg und Wiener Neustadt.

Dabei zeigt sich, dass die Stadt Salzburg als überregionales Arbeitszentrum klar definiert werden kann. Jedoch übernehmen auch andere Gemeinden innerhalb der Stadtregion die Funktion als regionales Arbeitszentrum (Typ A). Direkt angrenzend an die Stadt Salzburg finden sich Arbeitszentren mit einem sehr starken Bezug zur Stadt Salzburg (Typ B), im weiteren Umkreis Gemeinden im Raumtyp C-E, bei welchen es sich um kleinere Gemeinden handelt, welche jedoch teils vorrangig als Wohngemeinden, teils als kleine Arbeitszentren fungieren. In den peripheren Gebieten finden sich die Kleingemeinden im Raumtyp F und G mit deutlich geringeren Verflechtungen zum Stadtregionszentrum.

"Gemeiden müssen unterschiedliche Funktionen wahrnehmen."

Herausforderung Stadtregion

Innerhalb einer Stadtregion übernehmen die einzelnen Gemeinden unterschiedliche Funktionen. Dies spiegelt insbesondere im jeweiligen Leistungsangebot der Gemeinde wider. In weiterer Folge hat dies Auswirkungen auf die finanzielle Situation der Gemeinden. An dieser Stelle ist jedoch darauf hinzuweisen, dass im aktuellen Finanzausgleich kein ausreichender Bezug auf die unterschiedlichen Funktionen der Gemeinden genommen wird. Vielmehr ist es eine zentrale Herausforderung für die Zukunft, verstärkt als Stadtregion aufzutreten und eine verbesserte Koordination, Steuerung und Finanzierung der Gemeinden einer Region zu erreichen.

erschienen in: 
Forum Public Management 2013, 2, S. 4-6
Jahr: 
2013