Konstellationen und Mechanismen geschlechtlicher Lohn-Diskriminierung in Österreich

Das Nettomedianeinkommen der unselbständig erwerbstätigen Frauen in Österreich betrug 2001 rund 65 Prozent des Nettomedieneinkommens der Männer. Trotz steigender Erwerbsbeteiligung und zunehmend besserer Qualifikation der Frauen ist nur eine schleppende Verbesserung in Sicht. Diese Untersuchung konzentrierte sich auf den blue-collar-, auf den white-collar- sowie auf den hoch qualifizierten Technikbereich. Im blue-collar-Bereich zeigte sich eine starre Klassifikation und Bewertung von Arbeit, indem „männliche“ Fähigkeiten wie der Einsatz von Körperkraft, technisches Wissen und Bereitschaft zu Verantwortung höher bewertet wurden, als „weibliche“ Fähigkeiten. Im Bereich des white-collar-Bereiches war für Frauen insbesondere die Möglichkeit wichtig, Berufstätigkeit und Familienleben vereinbaren zu können. Durch die mangelnde „Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit“ von Frauen beschränken sie jedoch ihre Karriereperspektiven. Bei hochqualifizierten Frauen im Technikbereich zeigten sich gleich zwei Hauptgründe. Einerseits wird argumentiert, dass es im Technikbereich zu wenige Frauen gebe, so dass diese auch nicht in höhere Hierarchien aufrücken könnten. Andererseits wird Frauen eine geringere technische Qualifizierung zugesprochen. Ein weiterer Grund ist, dass Frauen mit Betreuungspflichten weniger in der Lage sind, den Arbeitsplatz zu wechseln bzw. Druck geltend zu machen, um höhere Einkommen zu erzielen.

erschienen in: 
Österreichische Zeitschrift für Soziologie 30(2005), 1, S. 44-66
Jahr: 
2005
Bestellnummer: 
3546