KDZ goes international

Bereits seit den 1990er Jahren positioniert sich das KDZ – Zentrum für Verwaltungsforschung verstärkt auch international. Mittelfristig soll daraus eine Querschnittsmaterie entstehen, in der sich sämtliche Kompetenzbereiche des KDZ widerspiegeln.

Angefangen hat alles mit LOGON, einem EU-Projekt, das 1998 gemeinsam mit der Stadt Wien und dem Österreichischen Städtebund aus der Taufe gehoben wurde, um den damaligen mittel- und osteuropäischen Kandidatenländern den Weg in die Europäische Union zu erleichtern und v.a. die Gemeinden und Städte auf den Beitritt vorzubereiten.

LOGON

Mit LOcal GOvernment Network wurde ein europäisches Netzwerk auf lokaler Ebene geschaffen, innerhalb dessen nicht nur zahlreiche Aktivitäten gesetzt wurden und werden – an dieser Stelle sei vor allem der jährlich erscheinende LOGON Report zu erwähnen –, sondern das auch als Plattform für Erfahrungs- und Informationsaustausch dient und dementsprechend neue Betätigungsfelder generiert. Mittlerweile reichen die Maßnahmen weit über das eigentliche EU-Projekt hinaus und der geographische Schwerpunkt hat sich nach Südosteuropa verlagert. Inhaltlich wird am erfolgreichen Konzept des Wissenstransfers festgehalten.

Dialog und Netzwerke

Überhaupt könnte man die vielschichtigen internationalen Aufgabenbereiche des KDZ unter dem Schlagwort Know how-Transfer zusammenfassen. Ausgehend von der Tatsache, dass Wissenstransfer keine Einbahnstraße ist, sondern Dialog, passiert Know how-Transfer horizontal, sowohl von der lokalen zur internationalen Ebene und vice versa, als auch von der Theorie zur Praxis.

Ob Studienbesuche, Entsendung von ExpertInnen, Schulungen oder die Ausarbeitung von Studien, die Maßnahmen sind vielfältig, ebenso wie die Partnerorganisationen. In Österreich sind dies primär der Österreichische Städtebund, Fachabteilungen der Ministerien und größerer Städte und Gemeinden sowie die Austrian Development Agency (ADA). Auf internationaler Ebene kooperiert das KDZ mit dem Europarat, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), dem United Nations Development Programme (UNDP), dem Council of European Municipalities and Regions (CEMR) und europäischen Städteverbänden, wie beispielsweise dem südosteuropäischen Städteverband NALAS, um nur die wichtigsten zu nennen. Thematisch geht es dabei vorrangig um die Themen Verwaltungsausbau und den Ausbau von (Leistungs-)Fähigkeit und Handlungskompetenz (Institution & Capacity Building). Geografisch liegt der Tätigkeitsschwerpunkt in der Europäischen Union und ihren Nachbarländern, wobei in Südosteuropa die Aktivitäten primär im Zeichen der Europäischen Integrationund Annäherung an die EU stehen und die Tätigkeitsfelder in Osteuropa und Zentralasien vorrangig unter dem Aspekt der Charta der lokalen Selbstverwaltung des Europarates zu sehen sind.

In der EU selbst ist das European Institute of Public Administration (EIPA) ein wichtiger Partner, wenn es um die Modernisierung der öffentlichen Verwaltung auf europäischer Ebene geht. Die Teilnahme des KDZ beim European Public Sector Award (EPSA) und die Zusammenarbeit im Rahmen des Common Assessment Framework (CAF) sind Beispiele dieser Kooperation.

Know-how-Transfer Centre (KTC)

Darüber hinaus hat das KDZ letztes Jahr das operative Geschäft des KTC vom Österreichischen Städtebund (ÖStB) übernommen und unterstützt einerseits den Wissenstransfer auf Verwaltungsebene von Albanien bis Usbekistan, führt andererseits im Rahmen dieses – von der ADA finanzierten – Projektes aber auch eigene Maßnahmen durch. So wurde beispielsweise kürzlich einer Delegation aus Aserbaidschan im Zuge der oberösterreichischen Landtags- und Gemeinderatswahlen die Möglichkeit geboten, den Ablauf demokratischer Wahlen in Österreich kennen zu lernen, indem einerseits das österreichische Wahlsystem vom Innenministerium vorgestellt wurde, andererseits ein Wahllokal in Engerwitzdorf im Mühlviertel und die Bezirkswahlbehörde Urfahr-Umgebung am Wahltag selbst besucht wurden.

EU Projekte

Ein weiterer Schwerpunkt des KDZ ist die Teilnahme an europäischen Projekten, die mit Finanzmitteln der EU unterstützt werden. Dabei geht es nicht bloß um den Austausch so genannter Best Practices, sondern auch um das Generieren neuer Erkenntnisse und Fragestellungen. Expertise, die auf nationaler Ebene vorhanden ist, bekommt eine europäische Dimension. Dieser europäische Mehrwert wiederum kann für (Zukunfts-)Themen auf Mitgliedstaatenebene nutzbar gemacht werden.

Neben dem anfänglich bereits erwähnten LOGON reiht sich RISER in die Gruppe EU geförderter Projekte ein. RISER steht für Registry Information Service for European Residents und kann mit „Europäischer Meldeauskunft“ übersetzt werden. Dieses im Jahr 2006 initiierte Projekt geht nun bereits in die zweite Phase. Über RISER sind mittlerweile Abfragen in Österreich, Deutschland, Italien, Ungarn, der Schweiz, Schweden, Estland, Litauen, Irland und dem Vereinigten Königreich möglich. Das Kürzel „id“ bedeutet initial deployment und impliziert damit auch gleich das Projektziel: neben der Ausweitung des Services auf weitere Länder wie Finnland und Slowenien, geht es vor allem aber um das Gewinnen neuer KundInnen. Die Kooperation mit größeren Portalen sowie die Kundengruppe „öffentliche Verwaltung“ stehen dabei im Vordergrund. In Österreich zählten übrigens der Magistrat Linz und die BH Zell am See zu den ersten Kunden aus dem Öffentlichen Sektor.

Gezieltes Service für Städte

Auf die zentrale Rolle des ÖStB als wichtiger Partner im internationalen Bereich wurde im Rahmen von LOGON und den internationalen Know how-Transferaktivitäten bereits hingewiesen. Diese Zusammenarbeit soll hinkünftig noch erweitert werden und den Städtebundmitgliedern verstärkt zu Gute kommen.

Dabei soll das KDZ als Schnittstelle zwischen dem ÖStB und seinen Mitgliedern fungieren, vor allem in den Bereichen Förderungen & Finanzierungen sowie Kooperations-und Projektentwicklung für internationale Aktivitäten von Städten. Als erste Schritte werden im Herbst eine Umfrage zum Thema „EU-Öffentlichkeitsarbeit österreichischer Kommunen“ online gehen, und ein Arbeitskreis „Internationales“ ins Leben gerufen werden, um die Bedürfnisse der Kommunen im Hinblick auf internationale Aktivitäten zu eruieren und so bedarfsorientierte Services anbieten zu können.

Weniger Bürokratie in Europa

Last but not least wird das KDZ auch international vermehrt auf Themen wie demografische Entwicklung und deren Auswirkungen, E-Government oder aber das Standardkostenmodell setzen. Fragestellungen, die das KDZ auf österreichischer Ebene bereits seit längerem beschäftigen und dessen Expertise im Rahmen transnationaler Projekte auch über Österreichs Grenzen hinaus bekannt und nutzbar gemacht werden sollen.

So findet im Herbst in Kooperation mit dem Bundeskanzleramt und dem European Public Administration Network (EUPAN) ein Workshop zu „Reduction of Administrative Burdens for Citizens“ und „Standard Cost Modell“ statt. Im Zuge dessen werden die Ergebnisse der KDZ Studie „Reduzierung von administrativen Belastungen von BürgerInnen in Österreich“, die eine Bürokratiebelastung für Österreichs BürgerInnen im Ausmaß von 10,2 Mio. Stunden aufdeckte und anhand konkreter Optimierungsvorschläge ein Entlastungspotenzial von 3,8 Mio. Stunden pro Jahr feststellte, auf internationale Ebene transferiert.

erschienen in: 
Forum Public Management 2009, 3, S. 21-22
Jahr: 
2009