EU stärkt Ehrenamt – EU-Offensive „Europäisches Jahr der Freiwilligentätigkeit 2011“

Die Gründe, warum sich Menschen ehrenamtlich engagieren, sind ebenso individuell wie die Menschen selbst. Faktum ist, dass dieses Engagement in der Regel ohne viel Aufhebens oder Öffentlichkeit passiert. Das „Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit“ bietet nicht bloß die Chance, das Ehrenamt, stellvertretend für all die Menschen, die dahinter stehen, vor den Vorhang zu holen, sondern es auch nachhaltig abzusichern.

Die Europäische Union hat das Jahr 2011 zum Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit ausgerufen. Damit soll der Bedeutung und dem Potenzial des Sozialkapitals verstärkt Rechnung getragen werden. Auch Österreich versucht mit zahlreichen Initiativen auf das Thema Freiwilligentätigkeit aufmerksam zu machen, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und somit sowohl den individuellen als auch den gesellschaftlichen (Mehr-)Wert des Ehrenamtes zu fördern.

In Europa sind zwischen 92 und 94 Mio. der über 15jährigen freiwillig tätig, das sind rund 23% der EuropäerInnen. In Österreich sind es beinahe 44% oder rund 3 Mio. Menschen. Damit ist Österreich gemeinsam mit den Niederlanden, Schweden und Großbritannien europäischer Spitzenreiter: Die Bereiche, in denen sich die ÖsterreicherInnen freiwillig engagieren sind vielfältig und decken sämtliche Bereiche des gesellschaftlichen Lebens ab. Dementsprechend passiert Ehrenamt u.a. im Sport, in Kunst und Bildung, im Katastrophen- und Umweltschutz, im Gesundheits- und Sozialbereich sowie in Gewerkschaften und Interessensvertretungen. Dabei leisten die ÖsterreicherInnen in Summe 14.692.679 Mio. Stunden pro Woche ehrenamtlich.

Österreichische Maßnahmen und Initiativen 2011

Um dieses freiwillig und unentgeltlich erwirtschaftete Sozialkapital in ganz Europa anzuerkennen und für die Zukunft zu sichern, wurde das Jahr 2011 zum „Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit“ erklärt. „Wir stehen voll hinter den damit verfolgten Zielen der Förderung des Freiwilligenengagements und der Stärkung der Freiwilligenorganisationen“, unterstreicht der Bundesminister für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz, Rudolf Hundsdorfer. „Denn wir haben unsere Aktivitäten im Österreichischen Freiwilligenrat schon bisher von diesen Zielen leiten lassen“, so der Sozialminister weiter.

Im Rahmen des Europäischen Jahres findet in Österreich eine Vielzahl von Aktivitäten und Maßnahmen statt, die einerseits auf die zunehmende Bedeutung der Freiwilligentätigkeit und der Menschen, die dahinter stehen, hinweisen und andererseits das Ehrenamt sowohl rechtlich als auch gesellschaftspolitisch stärker verankern sollen. So wird u.a. ein Österreichisches Freiwilligengesetz für verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen ausgearbeitet. Am 17. und 18. Juni dieses Jahres findet der Tag der Freiwilligen Überraschungen statt und ein Freiwilligenpass soll Vorteile in der Arbeitswelt bringen. Darüber hinaus werden dreißig Workshops in Gemeinden und Städten im Rahmen der „Kommunalen Freiwilligenagenda“ zur gezielten Förderung des Ehrenamtes durchgeführt.

Die EJF-Tour wird eröffnet
Quelle: BMASK

Sozialministerium koordiniert

Die Federführung in der Koordination der Umsetzung der Ziele des Europäischen Jahres der Freiwilligentätigkeit liegt beim Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (BMASK). Der Nationale Lenkungsausschuss mit VertreterInnen des Bundes, der Länder, der Städte und Gemeinden, der Sozialpartner und Freiwilligenorganisationen hat gemeinsam ein Nationales Arbeitsprogramm erstellt, das vier Hauptziele verfolgt:

  1. Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für Freiwilligentätigkeiten in der EU und gegebenenfalls Beseitigung administrativer und rechtlicher Hindernisse.
  2. Stärkung des Potenzials der Organisatoren von Freiwilligentätigkeiten zur Verbesserung der Qualität des Ehrenamtes.
  3. Anerkennung von Freiwilligentätigkeiten und den dadurch erworbenen Kompetenzen durch die Politik, die öffentliche Hand, den Bildungssektor, die Organisationen der Zivilgesellschaft und schließlich den ArbeitgeberInnen.
  4. Sensibilisierung der breiten Öffentlichkeit für den Wert und die Bedeutung von Freiwilligentätigkeiten.

Die Europäische Kommission erhofft sich durch das Europäische Jahr der Freiwilligkeit das Bewusstsein für den Mehrwert des Ehrenamtes zu steigern und mittelfristig die Anzahl freiwillig tätiger Menschen in ganz Europa zu erhöhen. Ein ambitioniertes Ziel, wenn man bedenkt, dass einerseits die demografische Entwicklung das traditionelle Ehrenamt zunehmend auf die Probe stellt – Wegzug junger Menschen aus ländlichen Gebieten und gleichzeitige Überalterung dieser Regionen – und andererseits generell die Bereitschaft von Menschen, sich dauerhaft in festen (Vereins-)Strukturen zu engagieren immer mehr sinkt. Hier heißt es neue Akzente zu setzen, neue Strategien und Handlungsfelder zu erarbeiten und umzusetzen. Vor allem die kommunale Ebene ist besonders gefordert, findet freiwilliges Engagement vor Ort, in den Städten und Gemeinden, in der unmittelbaren Nachbarschaft statt.

Kommunale Agenda der Freiwilligentätigkeit 2011

Die Bedeutung der Freiwilligentätigkeit als zentraler Baustein des Miteinanders in und für Städte und Gemeinden veranlassten den Österreichischen Städtebund und den Österreichischen Gemeindebund gemeinsam mit dem Sozialministerium die „Kommunale Agenda 2011“ auszurufen.

Im Zuge dieser Agenda wird ein Lokaler Aktionsplan Freiwilligenarbeit (LAP) zur Unterstützung der Städte und Gemeinden sowie deren Freiwilligenorganisationen erarbeitet und vorgestellt werden. Hier gilt es künftig vor allem das freiwillige Engagement junger Menschen weiterhin zu fördern bzw. zu wecken. Älteren Menschen müssen neue Möglichkeiten des Ehrenamtes aufgezeigt und eröffnet werden. Folglich setzt die „Kommunale Agenda der Freiwilligentätigkeit“ folgende Schwerpunkte:

  • Unterstützung der auf kommunaler und regionaler Ebene tätigen Freiwilligenorganisationen
  • Zusammenarbeit auf lokaler, regionaler und interkommunaler Ebene
  • Zusammenhalt zwischen Generationen, Kulturen und sozialen Schichten
  • Förderung der Freiwilligentätigkeit in benachteiligten Gruppen (MigrantInnen, Menschen mit Behinderungen und Menschen in Armut)
  • Förderung und Anerkennung des informellen Lernens durch freiwilliges Engagement.

In diesem Zusammenhang bietet auch der Österreichische Städtebund seine Homepage als Plattform an, um kommunale Projekte vorzustellen, die zivilgesellschaftliches Engagement, gesellschaftliche Teilhabe und Partizipation sowie den Ausbau demokratischer Strukturen ermöglichen und unterstützen.

Weitere Informationen zum Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit und die vielfältigen und zahlreichen österreichischen Aktivitäten und Maßnahmen erhalten Sie unter http://www.freiwilligenweb.at.

erschienen in: 
Forum Public Management 2011, 1, S. 12-14
Jahr: 
2011