Stadtregion ist mehr wert! Eine aktuelle Untersuchung zeigt positive Wirkungen auf.

Das KDZ hat gemeinsam mit dem Österreichischen Institut für Raumplanung im Auftrag der ÖROK 2013 den Mehrwert von Stadtregionen untersucht. In Interviews mit Akteurinnen und Akteuren von elf Stadtregionen wurde der Mehrwert stadtregionalen Handelns herausgearbeitet. Dabei zeigen sich zahlreiche positive Wirkungen. Diese betreffen die Bereiche Wirtschaftlichkeit, räumliche Entwicklung, Umwelt- und Klimaschutz und nicht zuletzt gesellschaftliche und soziale Wirkungen. Die Ausprägungen des Mehrwerts hängen stark mit den thematischen Schwerpunkten der Stadtregionen – „Smart Region“, „Nahverkehr – Mobilität“, „Standortentwicklung“, „Siedlungsentwick- lung“ und „Freizeit & Naherholung“ – zusammen.

Weniger Konkurrenz - geringere Kosten

Ein wesentlicher Mehrwert stadtregionaler Kooperationen liegt in einer koordinierten vorausschauenden, mittel- bis langfristigen Planung der regionalen Entwicklung. Dazu zählt sowohl eine abgestimmte Standortpolitik für Betriebe, Siedlungen und Freizeiteinrichtungen, als auch eine koordinierte Verkehrsinfrastruktur- und Angebotsentwicklung. Des Weiteren helfen stadtregionale Kooperationen Stärken zu poolen, Kosten zu senken und negative Umweltwirkungen zu reduzieren. Zu den positiven Folgewirkungen einer vorausschauenden Regionalentwicklung zählen neben Kosteneinsparungen bei der Errichtung und Erhaltung der technischen und sozialen Infrastruktur, Verkehrsvermeidung und CO -Einsparung, ein reduzierter Flächen- und Baulandverbrauch sowie der Landschaftsschutz.

Bereits eine Abstimmung von Investitionsvorhaben (soziale Infrastruktur, Freizeit- und Kultureinrichtungen, öffentlicher Verkehr) führt dazu, dass Doppelgleisigkeiten vermieden, Synergien gefunden und bestehende Infrastruktureinrichtungen besser genutzt und somit Kosten eingespart werden. Damit werden gleichzeitig Mittel für andere Vorhaben frei. Es erhöht sich der Handlungsspielraum für die Gemeinden.

Eine gemeinsame integrierte Verkehrsinfrastruktur- und Angebotsplanung – etwa im Rahmen von Verkehrsverbünden – spart Kosten bei der Infrastrukturerrichtung und dem Betrieb von öffentlichen Verkehrsmitteln und verbessert die Qualität des Angebots des öffentlichen Verkehrs (ÖV). Dies führt in der Folge durch steigende Fahrgastzahlen zu erhöhten Einnahmen und optimiert somit die wirtschaftliche Effizienz. Gleichzeitig werden Kosten durch Überlastungen im Straßenver- kehr (Staukosten) vermieden.

Erfolgen Investitionen im Rahmen von stadtregionalen Kooperationen gemeinschaftlich, so kommt es zusätzlich zu Vorteilen bei der Finanzierung sowie beim Lukrieren von öffentlichen Fördergeldern. Eine regional abgestimmte, transparente Vorgangsweise bei Betriebsansiedlung, Wirtschaftsförderung und Preisgestaltung reduziert auch die interkommunale Standortkonkurrenz. Gemeinden sind besser gegenüber dem Druck von Investoren gewappnet und können günstigere „Preise“ für ihr Angebot an Betriebsfächen erzielen. Kosteneinsparungen ergeben sich auch durch gemeinsame Marketingaktivitäten und eine gemeinsame Beschaffung, da durch die Bündelung der Nachfrage „Großhandelseinkaufspreise“ erzielt werden können.

Saubere Umwelt - weniger CO2

Stadtregionale Kooperationen leisten einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz. Eine vorausschauende, regional abgestimmte und optimierte Standortpolitik für Betriebe und Siedlungen trägt unter anderem zur Verkehrsvermeidung bei, insbesondere wenn die Entwicklungsstandorte auf den öffentlichen Verkehr abgestimmt werden. Eine koordinierte Standortpolitik, die Zersiedelung vermeidet und gleichzeitig auf Verdichtung und Innenentwicklung setzt, reduziert auch den Bauland- und Flächenverbrauch. Sie dient dem Landschaftsschutz und der Erhaltung der Kulturlandschaft. Stadtregionale Kooperationen im Verkehrsbereich – wie S-Bahnen oder regionsübergreifende Verkehrskonzepte führen zu Verkehrsvermeidung sowie der Reduktion des motorisierten Individualverkehrs bei gleichzeitiger Förderung des Umweltverbunds (Fuß- und Radverkehr, ÖV). Dies erhöht die Verkehrssicherheit, reduziert Ressourcen, und damit verbundene Schadstoffe wie unter anderem den CO2-Austoß.

Abb. 1: Gesellschaftlicher Mehrwert von Stadtregionen                                                    

Quelle: eigene Darstellung KDZ/ÖIR 2013.

Regionales Wissen - bessere Entscheidungen

Durch ein gemeinsames Herangehen und Analysieren von Herausforderungen in einer Stadtregion (z. B. im Bereich Verkehr, Sied- lungsentwicklung, Lärm,...) entsteht eine gemeinsame Wissensbasis von Wirkungs- mechanismen in einer Stadtregion. Es kommt zu einer gemeinsamen Sichtweise, welche die Entscheidungsgrundlagen verbessert. Kooperationsprozesse stärken zudem die Vertrauensbasis zwischen Land, Stadt und Gemeinden, fördern das Zusammengehörigkeitsgefühl und verbessern die Voraussetzung, um eine gemeinsame regionale Identität zu etablieren. Ein gestärktes gegenseitiges Vertrauen baut „Lokalegoismen und Kirchturmdenken“ ab und erhöht gleichzeitig die Kooperationsbereitschaft.

Standortattraktivität erhöhen

Ein bedeutender Mehrwert stadtregionaler Kooperationen liegt darin, den Standort als Wohn- und Betriebsstandort attraktiver zu gestalten. Eine qualitative und quantitative Verbesserung des regionalen Standortangebotes – wie Spezialisierung und Know-how, Verfügbarkeit von Betriebsfächen, eine verbesserte innerregionale und internationale Erreichbarkeit durch den Ausbau des ÖV etc. und eine gleichzeitige Information und Ver- marktung der gemeinsamen Angebote erhöht die Wahrnehmung im In- und Ausland. Zudem wird die Position der Region im nationalen und internationalen Wettbewerb gestärkt ebenso wie der Tourismusstandort.

Beispielsweise hat sich die EnergieRegion Römerland Carnuntum als Kompetenzzentrum für erneuerbare Energien sowie die AREA m styria als Marke im Bereich von Werkstofftechnologien etabliert. Der Ausbau des ÖV-Angebots im Rahmen der S-Bahn Tirol erhöht durch die deutliche Verbesserung der innerregionalen Erreichbarkeit die Stand- ortattraktivität im Großraum Innsbruck. Das Mur-Mürz-Tal hat sich von einer Krisenregion zur „High-Tech-Region“ gewandelt, dadurch wurde die regionale Identität gestärkt und  das Image aufgewertet.

erschienen in: 
Forum Public Management 2014, 3, S. 22 - 24
Jahr: 
2014