Refreshing

Mit der Umstellung auf die VRV 2015 ergeben sich ab dem Jahr 2020 für die Analyse kommunaler Haushalte neue Anforderungen und Möglichkeiten. Der nunmehr seit zwanzig Jahren im Einsatz befindliche KDZ-Quicktest auf Basis der VRV 1997 wird an die sich aus der VRV 2015 und dem Drei-Komponenten-Haushalt ergebenden Potenziale angepasst.

Auf Basis des aktuellen finanzwirtschaftlich orientierten KDZ-Quicktests ist der Gemeindehaushalt dann nachhaltig im Gleichgewicht, wenn der Überschuss der laufenden Gebarung (operative Gebarung bzw. Saldo 1) die Investitionen (investive Gebarung bzw. Saldo 2) plus Folgelasten im Rahmen einer vertretbaren Verschuldung abdeckt.

Mit dem Drei-Komponenten-Haushalt erhält der KDZ-Quicktest Neu zwei zusätzliche Analysequellen – den Ergebnis- und den Vermögenshaushalt. Damit bildet er mithilfe eines mehrdimensionalen Kennzahlensets, das die Finanz-, Ergebnis- und Vermögenssicht berücksichtigt, eine wichtige Grundlage zur Beurteilung und Steuerung der Nachhaltigkeit der Gemeindefinanzen der Gemeindehaushalt wird aus drei Perspektiven beleuchtet und – wie bisher – zu einem Bonitäts- und Nachhaltigkeitswert verdichtet. Der KDZ-Quicktest Neu baut somit auf der bewährten kameralen Analyse auf und ergänzt diese um die Ergebnis- und Vermögensdimension.

Welche Fragen beantwortet der KDZ-Quicktest Neu?

Aus Sicht der Ertragskraft stellt sich die Frage, wie weit im Ergebnishaushalt ein Überschuss verbleibt. Die Kennzahl Nettoergebnisquote (NEQ) zeigt, ob mit den laufenden Erträgen die Aufwendungen für die kommunalen Leistungen und die dafür erforderliche Infrastruktur abgedeckt werden können. Ein positiver Wert heißt, dass dies erfüllt wird. Ein negativer Wert sagt aus, dass dies nicht der Fall ist, entweder weil die Mittelausstattung unzureichend für das Leistungsportfolio inkl. Infrastruktur ist oder dieses zu groß ist, um mit den bestehenden Erträgen bedeckt zu werden. Aus Sicht der Nachhaltigkeit der Gemeindefinanzen sollte das Nettoergebnis jedenfalls mittel- bis langfristig positiv sein.

Aus Sicht der Zahlungsfähigkeit bzw. Liquidität stellt sich die Frage, wie weit die laufende/operative Gemeindetätigkeit und die dafür erforderlichen Investitionen mit eigenen Geldüberschüssen (Liquidität) finanziert werden können. Die Kennzahl Freie Finanzspitze (FSQ) zeigt den Überschuss nach Tilgungen und damit den Spielraum für neue Investitionsvorhaben. Die Eigenfinanzierungsquote (EFQ) liefert Informationen darüber, wie weit die Auszahlungen der operativen und investive Gebarung mit eigenen Mitteln werden können und inwieweit neue Fremdmittel aufgenommen werden müssen.

Das wichtige Thema der finanziellen Leistungsfähigkeit wird hiermit von zwei Seiten betrachtet.

Das Ausmaß der Verschuldung wird wie bisher mit zwei Kennzahlen analysiert. Die Verschuldungsdauer (VSD) zeigt, wie lange es braucht, um die Verpflichtungen der Gemeinde zu tilgen. Die Kennzahl Schuldendienstquote (SDQ) zeigt, welcher Anteil der Abgabenerträge für den Schuldendienst einzusetzen ist.

Neu ist die Beurteilung der Vermögensdeckung und Erhaltung der Vermögenssubstanz. Die Kennzahl Nettovermögensquote (NVQ) zeigt, wie weit das Vermögen mit eigenen Mitteln finanziert werden kann.Die Kennzahl Substanzerhaltungsquote

(SEQ) beurteilt, in welchem Ausmaß die getätigten Investitionen und Instandhaltungen die Vermögenssubstanz erhalten.

Für die Stadtgemeinde Trofaiach zeigen sich auf Basis des Muster-Rechnungsabschlusses 2015 folgende Ergebnisse zum KDZ-Quicktests NEU:

dass Trofaiach die operativen und investiven Ausgaben zu 93,5 Prozent aus Einzahlungen der operativen und investiven Gebarung bedecken kann. Die auf 100 fehlenden 6,5 Prozent mussten 2015 durch zusätzliche Darlehen oder dem Abbau der liquiden Mittel aufgebracht werden.

Die Verschuldungsdauer (VSD) ist 3,98 Jahren gering – in knapp vier Jahren wäre die Gemeinde schuldenfrei. 6,2 Prozent der Abgabenerträge müssen in Trofaiach für den Schuldendienst aufgewendet werden (Schuldendienstquote – SDQ). Wie die Verschuldungsdauer ist auch die Schuldendienstquote als gering einzustufen.

Die Nettovermögensquote (NVQ) zeigt, dass 71,2 Prozent des Vermögens mit eigenen Mitteln finanziert wurde - ein sehr guter Wert.

Die Substanzerhaltungsquote (SEQ) zeigt, dass durch Ersatzinvestitionen und Instandhaltungen 81,1 Prozent der Abschreibungen reinvestiert werden, d. h. eine Substanzerhaltung ist in diesem Jahr nicht ausreichend gegeben. Bei dieser Kennzahl sollte mittel bis langfristig ein Wert von jedenfalls 100 Prozent erreicht werden.

Der KDZ-Quicktet Neu bildet die künftigen Parameter des Haushaltsausgleichs ab. Am Beispiel von Trofaiach sind die Netto-Ergebnisquote (NEQ), die Freie Finanzspitze (FSQ) sowie die Nettovermögensquote (NVQ) positiv. Darüber hinausgehend werden auch die Substanzerhaltung und Verschuldung in das Zentrum der Analyse und Steuerung des Gemeindehaushalts gestellt, die einen positiven Status aufweisen. Eine detaillierte Beschreibung zur Ermittlung der einzelnen Kennzahlen finden sich im KDZ-Kontierungsleitfaden 2018 (ab Seite 433).

Links:

www.kdz.eu/KLF2018-bestellen

erschienen in: 
Forum Public Management 2018, Sonderausgabe, Seite 22 - 23
Jahr: 
2018