OECD Regional Outlook 2016 - Starke Regionen als Garant für Wohlstand

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat kürzlich die Publikation „OECD Regional Outlook 2016“ veröffentlicht.

Die dritte Ausgabe des regionalen Ausblicks der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)1 zeigt einmal mehr, dass Regionen nicht nur zentral für eine produktive Wirtschaft sind, sondern auch Voraussetzung für eine offene Gesellschaft. Interessant ist zudem, dass sich in den letzten beiden Jahrzehnten die Unterschiede beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (BIP) zwischen den OECD-Ländern zwar verringert haben, die Einkommensunterschiede zwischen den Regionen, Städten und den Menschen innerhalb der einzelnen Länder aber größer geworden sind. Führende Regionen und Städte befinden sich zunehmend im Wettbewerb mit globalen Mitbewerbern.

Die meisten Menschen in den OECD-Ländern wohnen in städtischen Gebieten, aber auch ländliche Regionen können zum Wohlstand beitragen und tun dies bereits, so der OECD-Ausblick, der sich diesmal besonders auf die dünn besiedelten Gebiete konzentriert. Allerdings bedarf es eines Umdenkens, um das Produktivitätspotenzial der ländlichen Regionen besser ausschöpfen zu können. Eine stärkere Einbindung von Regionen und Städten ist notwendig, um ehrgeizige nachhaltige Entwicklungsziele wie das Pariser Abkommen zum Klimaschutz oder Habitat III zu erreichen. Damit einhergehen mehr Mitsprachemöglichkeiten der Bevölkerung und lokal angepasste Lösungen (Stichwort: Lokalisieren), um zu gewährleisten, dass keine Region und keine Stadt auf der Strecke bleibt.

Ausgewählte Erkenntnisse und Empfehlungen

Sektoren für handelbare Güter, wie beispielsweise Industrieprodukte oder Lebensmittel, sind ein bedeutender Produktivitätsmotor für das Aufholen von Regionen. Dies betrifft gleichermaßen die städtischen als auch die ländlichen Regionen trotz ihrer verschiedenen Wachstumsdynamik. Wesentlich für eine hohe Produktivität sind gute Governance-Praktiken. Funktionierende Governance-Regelungen, um staatliche Investitionen zu verwalten, können die Produktivitäts- und Inklusionsbremsen verringern,  die mit der Fragmentierung lokaler Rechtsordnungen – vor allem in Metropolregionen - verbunden sind. Kombiniert man das Einkommen mit Lebensqualitätsindikatoren wie Gesundheit und Beschäftigung (Stichwort: Multidimensionales Maß für Lebensstandard), vergrößern sich die Unterschiede zwischen den Regionen in einem Land zusätzlich. Unter den ländlichen Regionen sind die in Stadtnähe gelegenen dynamischer und widerstandsfähiger als die abgelegenen ländlichen Regionen.

Abb.1: Die Unterschiede zwischen den Ländern sind geringer, aber im eigenen Land - zwischen den Regionen – größer geworden.

Quelle: OECD (2016), OECD Regional Outlook 2016, S. 30.

Ländliche Regionen in Stadtnähe beherbergen mehr als 80 Prozent der ländlichen Bevölkerung und ihr Einkommen und Produktivitätswachstum ähnelt eher jenem von städtischen Regionen.

Und in Städten mit hochqualifizierten und geringqualifizierten Jobs („Banker und Baristas“) sind die Einkommensunterschiede in der Regel höher als auf nationaler Ebene.

Wie können die Erkenntnisse des OECD-Ausblicks nun genutzt werden, um die regionalen Unterschiede auszugleichen oder zumindest abzufedern? Gleich vorweg – eine Patentlösung kann der Ausblick nicht bieten, aber eine Reihe an überlegenswerten Empfehlungen. Mehr Augenmerk auf strategische Investitionen anstatt nur zu subventionieren und städtische Entwicklungsmaßnahmen sollten berücksichtigen, wie Städte innerhalb eines Landes in einem „Städtesystem“ untereinander verbunden sind. Für lokale Maßnahmen sind funktionierende Governance-Regelungen zu ihrer Umsetzung – das Wie - entscheidend, um nur einige zu nennen.

 

Anmerkungen:

1OECD (2016), OECD Regional Outlook 2016: Productive Regions for Inclusive Societies, OECD Publishing, Paris. http://dx.doi.org/10.1787/9789264260245-en [Download 14.11.2016]

erschienen in: 
Forum Public Management 2016, 2, S. 32-33
Jahr: 
2016