Jetzt handeln! Positionieren, Sensibilisieren, Chancen und Potenziale der Digitalisierung nutzen!

Es gibt derzeit keinen Zweifel, dass die Digitalisierung der Städte und ihrer Organisationen rasch voranschreitet. Sie hat das Potenzial, einen weitreichenden Paradigmenwechsel in den Städten und Gemeinden einzuleiten.  Sie wird erheblichen Einfluss darauf haben, wie wir zukünftig in unseren Städten und Gemeinden leben und arbeiten, wie die Kommunen mit ihren Stakeholdern interagieren, wie die Kommunen ihre Organisationen ausgestalten und wie die Menschen zukünftig in den kommunalen Organisationen arbeiten. Eine aktive Grundhaltung und eine ganzheit liche Perspektive, die sowohl die Stadt- als auch die Verwaltungsentwicklung berücksichtigt, sind für eine erfolgversprechende Auseinandersetzung mit der Digitalisierung in den Städten und Gemeinden notwendig.

Quelle: PwC-Studie „Die vernetzte Verwaltung“, 2017, www.pwc.de

Anhand der folgenden drei Perspektiven möchten wir dies deutlich machen.

Die digitale Stadt

Neue, durch Digitalisierung erst möglich gewordene Geschäftsmodelle, haben Auswirkungen auf unsere Städte und Gemeinden. In den verschiedenen Politikfeldern entstehen immer neue Angebote und Lösungen, die maßgeblichen Einfluss auf die künftige Entwicklung einer Stadt haben: Z. B. Tourismus (Airbnb), Verkehr (Uber), Bildung (Open Educational Resources, Fernunterricht), Wirtschaft (Start-Ups), Umwelt (Smart City), Technologie (Blockchains, Big Data). Aber auch in den klassischen Bereichen der Daseinsvorsorge entstehen neue Aufgaben im Sinne einer digitalen Daseinsvorsorge. Dazu zählen z. B. das Bereitstellen einer digitalen Basisinfrastruktur (Breitband-Internet, WLAN-Hotspots, EDV-Ausstattung), das Ermöglichen neuer Services (Public-Space-Server, Labs) sowie Content (Open Data, Live-Streaming, Social-Media-Kanäle).

Bürgerservice – The Next Generation

Das Konzept des Bürgerservices, wie wir es heute kennen, ist rund 30 Jahre alt. Es fußt in weiten Teilen auf persönlichen Kontakten in Die Digitalisierung ermöglicht eine grundlegende Reflexion dieses Konzepts vor dem Hintergrund neuer technischer Möglichkeiten.einer Servicestelle. Die Digitalisierung ermöglicht eine grundlegende Reflexion dieses Konzepts vor dem Hintergrund neuer technischer Möglichkeiten. Die Bürgerkarte/Handysignatur oder andere neue Formen der Authentifizierung (Bürgerkonto1) schaffen wichtige Voraussetzungen für einen weitreichenden Ausbau von Selbstbedienungsservices

(z. B. derzeit schon online-Meldebestätigung) oder auch das Anbieten von ganz neuen automatisierten Auskunftssysteme mit Chat-Bots oder Sprachcomputern (mehrsprachige) „Rund-um-die-Uhr-Services“. Weil Bürger Innen derartige technische Möglichkeiten aus dem Alltag kennen und in sehr unterschiedlichen Kontexten auch nutzen (z. B. Buchen von Hotels, Einkaufen, E-Banking) sind sie gewohnt auf diese Art und Weise mit privaten Firmen zu interagieren. Sie erwarten sich von den Kommunen vergleichbare elektronische Servicequalitäten, wie eine aktuelle Studie aus Deutschland sehr klar zeigt (siehe Grafik).

Digitalisierung kommunaler Managementbereiche

Welche Veränderungen in einzelnen Managementbereichen vor der Türe stehen, ist in den Diskussionen in einer vom KDZ begleiteten und vom Österreichischen Städtebund ermöglichten Arbeitsgruppe zum zukünftigen Personalmanagements sehr deutlich geworden. Die beteiligten Städte waren sich einig, dass alle personalwirtschaftlichen Prozesse zukünftig komplett IT-unterstützt erfolgen werden: Die Zukunft des Recruitings wird mit den Begriffen zusammengefasst: einfach, schnell und mobil. Das bedeutet etwa, dass die Personalsuche über Jobbörsen erfolgt, Interessentinnen und Interessenten sich durch ihren elektronischen Job-Agenden (Abodienst) über passende Jobs informieren lassen und sich dann unmittelbar über ihr Mobiltelefon bewerben. Auch alle anderen Prozesse der Personalverwaltung und -verrechnung werden mit entsprechenden elektronischen Verfahren abgewickelt..

Jetzt Weichen stellen!

In der gegenwärtigen Situation gilt es jetzt die entscheidenden Weichen zu stellen. Das bedeutet zuallererst die eigene Position zu klären und in einer digitalen Agenda respektive Digitalisierungsstrategie die unterschiedlichen Vorstellungen, Begriffe, Erwartungen und letztlich dann auch zukünftigen Entwicklungslinien zu beschreiben.

Dabei ist die Digitalisierung kein primär technisches Problem. Der mit der Digitalisierung einhergehende disruptive Wandel ist vor allem eine kommunalpolitische Herausforderung und eine anspruchsvolle Aufgabe der Organisationsentwicklung. Digitalisierung (oder auch „digitale Transformation“) ist „nicht weniger als die Neugestaltung der Verwaltung vor dem Hintergrund der veränderten technischen Möglichkeiten. Sie bietet die Chance, (…) Ressourcen effizienter und zielgenauer einzusetzen, Bürger und Unternehmen zu entlasten und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.“2

Es geht somit um grundlegende Veränderungen der Interaktion zwischen einer Stadt und ihren Stakeholdern, um gänzlich neue Formen der Arbeit.3

Anmerkungen:

1 Die Vereinfachung der Amtswege mittels digitalisierter Behördengänge und das Schaffen eines Bürgerkontos sind auch Themen der gegenwärtig laufenden Koalitionsverhandlungen auf dem Weg zu einer neuen Bundesregierung [zu Redaktionsschluss]. (vgl. diepresse.com/home/innenpolitik/5326025/SchwarzBlau-plant-Buergerkonto-und-digitale-Identitaet?from=suche.intern.portal).

2 Siehe Bertelsmann Stiftung: „Digitale Transformation der Verwaltung“, online in: www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/ did/digitale-transformation-der-verwaltung/ [Download:2017-11-15]

3 Siehe dazu: Wien – digitale Agenda, Digitalisierungsstrategie des Landes Vorarlberg und des Gemeindeverbandes.

erschienen in: 
Forum Public Management 2017, 2, S. 4 - 6
Jahr: 
2017