Integration gelebt - Das KDZ im Interview mit Elisabeth Planinger, Integrationsbeauftragte im Amt der Stadt Dornbirn.

Dornbirn ist in Fragen der Integra-tion vorbildlich. Die Stadt hat ein eigenes Integrationsleitbild entwickelt. Wie kam es dazu?

Im Jahr 2000 wurde das Thema Integration in Dornbirn professionalisiert und auf neue Beine gestellt. Wichtig dabei war, dass wir das Thema politisch außer Streit stellen konnten. Der umfassende Leitbild-Prozess wurde im November 2002 einstimmig beschlossenen und wurde zum ersten kommunalen Integra-tionsleitbild Österreichs.

Was brauchte es, um den Prozess so gut abzuwickeln?

Wichtig war ein deutliches Bekenntnis der politisch Verantwortlichen, welche die parteiübergreifende Leitbildentwicklung von Anfang an aktiv unterstützt haben. Mit einem motivierten Team in der Verwaltung, unterstützt durch eine professionelle Begleitung, mit dem ethnologischen Institut der Universität Basel und dem Soziologen Kenan Güngör, wurde das Leitbild gemeinsam mit den BürgerInnen entwickelt.

Diskutiert wurde in fünf Arbeitsgruppen zu den Bereichen Arbeit, Bildung, Stadtentwicklung und Wohnen, Gesundheit und Sozialwesen sowie Öffentlichkeitsarbeit, die von Anfang an mit Fachleuten, Zugewanderten und den politischen Fraktionen besetzt waren. Die Bevölkerung wurde mit 300 Telefon-Interviews mit Einheimischen und 300 Face-to-Face-Interviews mit zugewanderten DornbirnerInnen (in Herkunftssprache) eingebunden. Die Ergebnisse mündeten in den Maßnahmenkatalog.

Wie hat man der Bevölkerung das Leitbild samt Maßnahmen schmackhaft gemacht?

Die Befragung, die wir durch eine umfassende Öffentlichkeitsarbeit begleitet haben, war sicherlich motivierend. Wir haben aber auch laufend über den Leitbildprozess kommuniziert. In einer öffentlichen Veranstaltung wurde das beschlossene Leitbild der Öffentlichkeit vorgestellt und die nächsten Schritte angekündigt. Danach folgten Berichte über die laufenden Projekte. Die positiven Praxisbeispiele wurden auch über die Medien in der Öffentlichkeit bekannt gemacht.

Wie klappt es mit der Umsetzung der Pläne?

Je nach Maßnahmenbereich sind die Möglichkeiten zur Umsetzung und auch die Erfolge unterschiedlich. In manchen Bereichen fehlt der Stadt als Kommunalverwaltung die entsprechende Kompetenz zur eigenständigen Umsetzung. Einiges wurde auf Landesebene umgesetzt. Daran ist Dornbirn als größte Stadt des Bundeslandes natürlich beteiligt. Vieles wurde auch durch die Fachabteilungen direkt umgesetzt. Wichtig war uns, dass die Thematik innerhalb der Verwaltung vernetzt werden konnte. Integrationsarbeit ist vielschichtig und findet in vielen Bereichen statt. Dieser Querschnitt ist auch an den im Leitbild formulierten Themen-bereichen ablesbar und es ist uns gelungen, die Fachleute aus den anderen Bereichen der Verwaltung zu „Verbündeten“ zu machen. Wenn das Thema Integration etwa in der Stadtentwicklung, im Sport, in den Bereichen Gesundheit/Pflege und vor allem bei der Bildung mitgedacht und berücksichtig wird, ist das ein besonders schöner Erfolg.

Ein großes Augenmerk wird auf den Spracherwerb gesetzt. Werden diese Angebote auch tatsächlich angenommen?

Diese Angebote werden sehr gut angenommen gerade weil wir einen niederschwelligen Zugang ermöglichen. Es geht uns darum, die Menschen dort abzuholen, wo sie ansprechbar sind und wir ihnen Perspektiven zur Verbesserung ihrer Situation anbieten können. Der „Sprach- und Orientierungskurs für Frauen“ besteht bereits seit 2002 und die Teilnehmerfrequenz ist ungebrochen. Aktuell erfolgte eine Ausweitung des Angebotes auf einen weiteren Kurs, aufgrund der hohen Zahl neuer Asylwerberinnen in Dornbirn. Der „Kanapetreff – Frauen im Gespräch“ ist aus den Deutschkursen entstanden, weil schnell klar wurde, dass es mehr braucht, als nur das Erlernen der Sprache. Mit der „Wörterburg – für schlagfertige Ritter und redefreudige -Prinzessinnen“ – bieten wir eine frühe Sprachförderung von Kindern bereits vor dem Kindergarten in Begleitung eines Elternteiles an. Die Kinder werden spielerisch zur Sprache hingeführt. Flächendeckende Sprachförderung in allen städtischen Kindergärten nach einem einheitlichen Modell und mit gleichzeitigem Sprachstandsmonitoring durch Sismik wurde 2011 eingeführt und bewährt sich sehr gut.

Es gäbe so viele Projekte, über die berichtet werden sollte. Was ist ihr Lieblingsprojekt?

„Hörst du, was die Wörter sagen?“ – Eine Seminarreihe für Betreuerinnen von Kindern im Alter von 0 bis 4 Jahren. Hier bekommen die TeilnehmerInnen konkretes Handwerkszeug für Sprachentwicklung, um sie in ihrem Arbeitsalltag mit den Kleinsten umzusetzen.

Mit www.handinhandinvorarlberg.at scheint ja auch das Land einen großen Beitrag zur Asylpolitik zu leisten. Wie funktioniert die Zusammenarbeit?

Dornbirn hat von Anfang an aktiv mit dem Land und den zuständigen Hilfsorganisationen zusammengearbeitet. Die Koordinationsstelle „Hand in Hand mit Flüchtlingen in Dornbirn“ besteht aus einem ehrenamtlichen Team, das seinerseits die ehrenamtlichen Angebote mit den Asylwerbern koordiniert. Diese engagiert geführte Koordinationsstelle ist direkt verbunden mit der neu geschaffenen Stelle „Flüchtlinge und Integration“ in der Stadtverwaltung, die sehr eng mit den Hilfsorganisationen und dem Land, der Koordinations-stelle und den Vereinen zusammenarbeitet.

Wie sehen Sie die Asylpolitik in der Zukunft?

Integration ist nur gemeinsam durch Politik, Verwaltung, Organisationen und bürgerlicher Gesellschaft möglich, als Querschnittaufgabe.

Welche Herausforderungen wird Dornbirn zukünftig bewältigen müssen?

Wichtig erscheint es einerseits die neu in Dornbirn Angekommenen möglichst rasch und freundschaftlich in unsere Gesellschaft einzuführen. Ihnen die Möglichkeit geben unsere Kultur und Gepflogenheiten kennenzulernen, sowie die Sprache zu lernen. Das erfolgt sehr aktiv dank der vielen Ehrenamtlichen. Andererseits ist es aber für die Stadt auch wichtig, das gesellschaftliche Klima gut im Auge zu haben und nicht über Gebühr zu belasten. Befürchtungen und -Ängste müssen ernst genommen werden.

Welchen Tipp können Sie Gemeinden geben, die das Thema Integration noch nicht so intensiv bearbeitet haben?

Grundlegend ist es wichtig, die Bevölkerung von Anfang an gut miteinzubeziehen und zu informieren. Dringend erforderlich erscheint mir auch, die politischen Funktionäre zu beteiligen und nicht nur zu informieren. Es gibt viel Unwissenheit in der Gesellschaft, die Angst macht. Diese kann nur durch Begegnung und möglichst viele positive Beispiele abgebaut werden.

Vielen Dank für das Interview.

AD PERSONAM
Elisabeth Planinger MSc, ist Integra tionsbeauftragte im Amt der Stadt Dornbirn.
Zu ihrem Aufgabenbereich zählt:

  • Fachstelle Integration und Umsetzung der im Leitbild formulierten Maßnahmen mit Berücksichtigung der aktuellen gesellschaftlichen Situation.
  • Vernetzung der Akteure mit der Stadt und untereinander, sowohl Institutionen als auch Herkunftsgruppen und Vereine der Zugewanderten.
  • Unterstützung der Fachabteilungen in ihrer Aufgabe das Integrationsthema als Querschnittmaterie in ihrem Bereich mitzudenken.
erschienen in: 
Forum Public Management 2016, 1, S. 22-24
Jahr: 
2016