Innovationskultur - Innovative Stadtverwaltung als Ziel

In der FTI-Strategie „Innovatives Wien 2020“ hat der Wiener Gemeinderat das Ziel einer „innovativen Stadtverwaltung“ explizit formuliert. Nun geht es darum, bis 2020 einige Schritte weiter zu kommen.

Die Herausforderungen für die öffentliche Verwaltung sind enorm: Technologische Entwicklungen, demografische Veränderungen und der schonende Umgang mit natürlichen Ressourcen seien exemplarisch als Megatrends genannt. Gleichzeitig sind die Ansprüche an eine Verwaltung einem permanenten Wandel unterworfen, so dass es nicht mehr genügt, Leistungen und Services mit hoher Stabilität zu erbringen. Die öffentliche Verwaltung muss sich vielmehr als Innovationsakteurin verstehen und braucht die Fähigkeit, auf Veränderungen zu reagieren.

Neuerungen sind immer schon auch von der öffentlichen Hand ausgegangen – Wien als „Lebensqualitätsweltmeister“ kann zahlreiche Beispiele vorweisen, exemplarisch genannt seien die Hochquellenleitung und die Donauinsel als Maßnahme zum Hochwasserschutz, aber auch die Konzepte des „Roten Wien“ im Bereich Wohnbau, Gesundheit und Bildung. Aus jüngster Zeit kann das Thema Open Data Government (OGD) genannt werden. Eine innovative Stadtverwaltung ist nichts Neues – neu ist die systematische Verankerung, wie sie in Wien durch die 2015 vom Gemeinderat beschlossene Strategie für Forschung, Technologie und Innovation (FTI) „Innovatives Wien 2020“ angestoßen wurde. Zwei der drei Innovationsziele der FTI-Strategie betreffen den Standort Wien. Dabei geht es um optimale Voraussetzungen, um das Innovationspotenzial in der Metropolregion zu entfalten und ein innovatives Milieu zu schaffen. Mit dem dritten Ziel wird erstmals eine „innovative Stadtverwaltung“ explizit genannt und eingefordert. Wien bekennt sich zur Rolle der Stadt als Gestalterin, Nachfragerin und Nutzerin von Innovationen.

 

Innovation inside – Lernen von Innovationsprojekten. Foto: Jobst

 

Das „Goldene Staffelholz für Innovation“

Bis 2020 werden Maßnahmen gesetzt, um eine Innovationskultur in der Stadt Wien zu verankern. Ziel ist es, rasch ins Tun zu kommen, Erfolgreiches zu systematisieren, weniger Erfolgreiches weiterzuentwickeln oder aufzugeben. Hierzu wurden entsprechende Formate entwickelt („Innovation inside“), um Freiräume zu schaffen und auch Scheitern zuzulassen. Dabei kann auf einen bereits seit einiger Zeit durch die Magistratsspitze vorangetriebenen Prozess der kulturellen Veränderung aufgesetzt werden.

Bürgermeister Dr. Michael Häupl und Magistratsdirektor Dr. Erich Hechtner haben 2016 das „Goldenes Staffelholz für Innovation“ ausgelobt. Die Dienststellen und Unternehmungen der Stadt Wien konnten umgesetzte Innovationsprojekte einreichen – 163 Einreichungen zeigen ein beeindruckendes Spektrum von technologischen Veränderungen (etwa die neu entwickelte Energiegewinnung aus Klärschlamm) bis zu sozialer Innovation: Eine Musikschule musiziert regelmäßig auf einer Station für Wachkomapatienten. Das ist nicht nur außergewöhnlich berührend, es reduzierte auch den Medikamentenbedarf der PatientInnen.

Eine Jury, bestehend aus VertreterInnen der Stadt Wien und externen ExpertInnen (darunter der Grazer Magistratsdirektor Mag. Haidvogl, der burgenländische Landesamtsdirektor Mag. Reiter sowie VertreterInnen aus Unternehmen und Wissenschaft) durften (oder mussten) elf Projekte auswählen, ein Sonderpreis wurde für ein gescheitertes Vorhaben vergeben, aus dem viel gelernt werden kann. Der Beitrag zur Innovationskultur, den dieser Sonderpreis leistet, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden: aus Scheitern zu lernen, statt es zu tabuisieren.

Innovation ist harte Arbeit

Innovation ist in den seltensten Fällen ein spontaner Geistesblitz, sondern harte Arbeit. Sie kann weder per Erlass gefordert noch an eine/n Beauftragte/n oder eine Dienststelle delegiert werden. Nur wenn die MitarbeiterInnen sich als InnovationstreiberInnen begreifen und den entsprechenden Freiraum haben, sind echte Weiterentwicklungen möglich. Ein Innovationsmanagement kann hierzu beitragen, indem systematisch gute Projekte vor den Vorhang geholt werden, Räume zum voneinander Lernen entstehen, gute Projekte von einem Bereich in den anderen „kopiert“ werden. Insbesondere Letzteres ist laut Erhebungen im öffentlichen Sektor in Dänemark 20161 entscheidend: 70 Prozent der Innovationen werden direkt von einem Bereich auf einen anderen übertragen. Um dieses „Kopieren“ und „Sich-Inspirieren-Lassen“ zu fördern, sind in Wien mit dem „Goldenen Staffelholz“, der jährlich stattfindenden Innovationskonferenz und „Innovation inside“, entsprechende Formate entwickelt worden. Es geht darum, kluge Lösungen weiterzuverwenden und Innovationen „wiederholbar“ zu machen.

Innovationsorientierte öffentliche Beschaffung

Die öffentliche Hand als Nachfragerin von Innovationen ist kein ganz neues Thema. Der große Durchbruch scheint bei der innovativen öffentlichen Beschaffung (IÖB) trotzdem noch vor uns zu liegen. In Wien haben wir in gemeinsamen Workshops und Klappsesselwerkstätten klare Trennungen vorgenommen:

Ganz zu Beginn, in der sogenannten Phase 0, geht es um das Schärfen der Fragestellung, da Problemsituationen nicht immer eindeutig sind und unmittelbare Auswirkungen auf den Lösungsprozess haben. Danach werden – im besten Fall innovative – Lösungsmöglichkeiten gesucht und erst mit dem dritten Schritt beginnt der formale Beschaffungsvorgang. Die Lösungssuche selbst muss offen erfolgen, im Austausch mit anderen Dienststellen, mit Forschungseinrichtungen, mit Bürgerinnen und Bürgern oder mit Unternehmen. Dabei kann und soll mit neuen Formaten experimentiert sowie auf die Erfahrung etwa der Wiener Wirtschaftsagentur oder der IÖB-Servicestelle des Bundes zurückgegriffen werden.

Wien neu denken

Öffentliche Verwaltungen sind große Organisationen, die Stabilität benötigen – Bürger- Innen und Unternehmen müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Anliegen bearbeitet werden. Gleichzeitig müssen wir uns den Herausforderungen stellen, die die anfangs genannten Megatrends mit sich bringen.

Dies betrifft vor allem eine adäquate Reaktion auf den technologischen Wandel und die Frage, wie die neuen technischen Möglichkeiten genutzt und die hohe Lebensqualität ausgebaut werden können. Um hier Lösungen zur gedeihlichen Entwicklung der Stadt zu finden, bedarf es einer permanenten Stärkung der Veränderungsbereitschaft. Wien hat mit dem Programm „Wien neu denken“ den Anspruch formuliert, neue Ansätze für eine (noch) bessere Verwaltung zu finden.

 

MEHR INFORMATION:

Die Strategie, die Projekte uvm. des "Goldenen Staffelholz" finden Sie auf: www.innovation2020.wien.at

erschienen in: 
Forum Public Management 2017, 1, S. 4 - 6
Jahr: 
2017