Hochwassermanagement in Gemeinden - Ein gemeinsames Forschungsprojekt stellt sich vor.

Gemeinden spielen eine wichtige Rolle im Rahmen des Hochwassermanagements. Sie übernehmen zahlreiche budgetwirksame Aufgaben, sowohl im Katastrophenfall als auch im Bereich der Prävention. Besonders stark betroffene Gemeinden sind mit bedeutenden Mehrbelastungen konfrontiert. Im Rahmen eines vom Klimafonds geförderten Forschungsprojekts1 wurde die Rolle der Gemeinden im Hochwassermanagement sowie die zu erwartenden künftigen Effekte durch den Klimawandel näher beleuchtet.

Vielfältige Aufgaben der Gemeinden

Das Hochwassermanagement der Gemeinden folgt den drei Phasen: Bewältigung, Nachsorge und Prävention (nächste Seite Abb. 1). Die Bereiche Bewältigung und Nachsorge betreffen Aufgaben, die in direktem Zusammenhang mit einem Hochwasserereignis stehen. Dies umfasst die Koordination und das Management im Katastrophenfall sowie Sofortmaßnahmen, wie etwa das Einberufen eines Krisenstabs, Schutzmaßnahmen (z. B. mobiler Hochwasserschutz) und die Koordination der Sofortmaßnahmen und Aufräumarbeiten. Direkte Katastrophenschutzmaßnahmen sind der Schutz der Infrastruktur, das Evakuieren der betroffenen Bevölkerung, das Bereitstellen von Ersatzquartieren und die Verpflegung der HelferInnen-Teams.

Abb. 1: Aufgaben der Gemeinden im Rahmen der drei Phasen des Hochwassermanagements. Quelle: Loibl et al.: Auswirkungen von Hochwasserereignissen auf Gemeindebudgets, 2018, S. 37.

Im Nachsorgebereich gilt es Schäden zu beseitigen, etwa Reinigung öffentlicher Verkehrsflächen, Müll-, Sperrmüll- und Schlammentsorgung oder Trockenlegung von Gebäuden. Weiters sind Schäden an Gemeindeobjekten zu beheben, etwa an Gebäuden (Bauhof, Schulen, Kindergärten), an technischen Anlagen (Kläranlagen, Uferbefestigungen und Dämmen), oder an öffentlichen Verkehrsflächen.

In der Prävention sind Gemeinden für vorsorgende Maßnahmen (z. B. in der örtlichen Raumplanung), für die Errichtung von Hochwasserschutzelementen und für Katastrophenschutzpläne zuständig. Gemeinden bzw. Hochwasserschutzverbände treten dabei grundsätzlich als sogenannte Interessenten für hochwasserschutzbauliche Maßnahmen auf. Im Hinblick auf den Klimawandel sind zu erwartende Veränderungen von extremen Niederschlagsereignissen und die daraus resultierende Hochwassergefahr zu bewerten und entsprechende Anpassungsmaßnahmen zu setzen.

Folgekosten für Gemeinden

Den Gemeinden entstehen im Katastrophenfall Ausgaben, die nur zum Teil vom Katastrophenfonds abgegolten werden. Im Bereich der Nachsorge erhalten die Gemeinden bei Schäden an Vermögen einen 50-prozentigen Zuschuss. Ausgaben für die Bewältigung (z. B. Notunterkünfte, Koordinationsaufwand) und für Nachsorge (Aufräumungsarbeiten, Sperrmüllentsorgung, Kanalspülung) müssen die Gemeinden selbst tragen. Umfangreiche präventive Hochwasserschutz-Projekte stellen die Gemeinden vor große finanzielle Herausforderungen. Diese werden vom Katastrophenfonds sowie von den Bundesländern ko-finanziert; der von den Gemeinden zu tragende Anteil variiert je nach Maßnahme.

Hochwasserschutzverbände

Die Hochwasserschutzverbände haben sich bewährt. Räumliche und statistische Analysen, wie auch Interviews mit Verantwortlichen der Gemeinden und Verbände, haben gezeigt, dass präventive Maßnahmen – vor allem Rückhaltebecken in der jeweils betroffenen Gemeinde, aber auch flussaufwärts (in den Oberlieger-Gemeinden) – wichtig für die Minderung von Schadensrisiko und Kosten sind. Hochwasserschutzverbände dienen einer gemeindeübergreifenden Planung, Priorisierung und gemeinsamen Finanzierung von Präventionsmaßnahmen in einem Flusseinzugsgebiet, die ohne Verbände nicht realisierbar wären. Weiters übernehmen sie wichtige Funktionen bei Information und Bewusstseinsbildung, wie regelmäßiger Informationsaustausch zwischen den Gemeinden, Implementierung von Frühwarnsystemen oder Koordination von Notfallplänen.

Hochwassermanagement und Risikofaktoren

Für die Analyse des Hochwasserrisikos und des Bedarfs an Anpassungsmaßnahmen wurde eine Reihe von Daten herangezogen: räumliche Muster extremer Niederschlagsereignisse der nahen Vergangenheit, Pegelstände der Flüsse, räumliche Risikofaktoren, eingetretene Schadensereignisse sowie die Häufigkeit der künftig zu erwartenden Extremereignisse. Abbildung 2 zeigt zwei besonders schadensverursachende Niederschlagsperioden: August 2002 und Juni 2013.

Im Rahmen des Projekts wurde die finanzielle Betroffenheit der Gemeinden ausgewählter Flusseinzugsgebiete in Oberösterreich für Schadensbewältigung (nach den beiden Ereignissen) und für Präventions- bzw. Anpassungsmaßnahmen (zwischen den beiden Ereignissen) untersucht. Dazu wurden die Jahresbudgets analysiert und folgende räumliche wesentliche Risikofaktoren identifiziert: Anteil der Siedlungsfläche in Hochwasserrisiko-Zonen und Höhendifferenz sowie Entfernung zwischen Fluss und flussnahen Siedlungsteilen. Risikomindernd wirken Präventions- bzw. Anpassungsmaßnahmen in den betroffenen Gemeinden sowie vor allem in den Oberlieger- Gemeinden.