Der Kontierungsleitfaden Neu - Ein Wegbegleiter bei der Umstellung auf das neue Haushaltswesen.

Seit Ende Mai 2018 ist der neue KDZ-Kontierungsleitfaden für Gemeinden und Gemeindeverbände erhältlich. Er unterstützt die Städte, Gemeinden und Gemeindeverbände bei der Umstellung auf die Voranschlags- und Rechnungsabschlussverordnung 2015 (VRV 2015). Wir beleuchten die wesentlichen neuen Inhalte, welche sich durch das geänderte Haushaltsrecht ergeben.

Neuer Kontenplan

Mit der VRV 2015 wurde ein integrierter Ergebnis-, Finanzierungs- und Vermögenshaushalt als zentraler Bestandteil des Haushaltsrechts geschaffen. Diese neue Haushaltsstruktur führte dazu, dass der Kontenplan (früher Postenverzeichnis) deutlich erweitert wurde. Da bisher im Haushaltsrecht keine verpflichtende, vollständige Aufstellung des Vermögens und des Kapitals in Form einer Vermögensrechnung gefordert war, mussten insbesondere hierfür entsprechende Konten geschaffen werden.

Zudem bildet der neu geschaffene Ergebnishaushalt Geschäftsfälle ab, die einen Ertrag (Wertzuwachs) oder Aufwand (Werteinsatz) darstellen, jedoch keinen Zahlungsfluss nach sich ziehen. Insbesondere für diese nicht finanzierungswirksamen Geschäftsfälle (z. B. Dotierungen von Rückstellungen) mussten ebenfalls neue Konten geschaffen werden.

Update des Kontierungsleitfadens

Vor diesem Hintergrund wurde im Rahmen von zahlreichen Arbeitsgruppensitzungen mit Expertinnen und Experten des Städte- und Gemeindebundes, der Gemeindeaufsichtsabteilungen und des Bundesministeriums für Finanzen eine Neuauflage des bekannten  Kontierungsleitfadens erarbeitet. Das Grundprinzip des Nachschlagewerkes bleibt bestehen: Einer Beschreibung der Ansätze folgt ein entsprechendes Stichwortverzeichnis, welches beim Finden des richtigen Ansatzes helfen soll. Die Beschreibungen der Kontengruppen werden ebenfalls durch ein solches Verzeichnis ergänzt. Das Stichwortverzeichnis für die Kontengruppen wurde aufgrund der vielen Neuerungen komplett neu gestaltet. Neben diesen bekannten Inhalten wurde jedoch auch einige neue Elemente entwickelt.

Buchungsbeispiele als Hilfestellung

Die neue VRV führt ein erweitertes kommunales Rechnungswesen ein, welches auf den Grundlagen der doppelten Buchführung aufbaut. Um ein Verständnis für diese Logik zu schaffen, wurden im Rahmen der Arbeitsgruppe zur Weiterentwicklung des Kontierungsleitfadens wichtige Geschäftsfälle identifiziert und in Form von Buchungsbeispielen aufbereitet. Dadurch werden die Auswirkungen auf die drei Komponenten – Ergebnishaushalt, Finanzierungshaushalt und Vermögenshaushalt – veranschaulicht.

Jedes Buchungsbeispiel beschreibt einen Geschäftsfall aus der Gemeindepraxis. Angeführt werden jeweils die betroffenen Konten sowie die Haushalte, auf die der Geschäftsfall einwirkt.

Beschreibung der Anlagen

Mit der VRV 2015 werden die erforderlichen Anlagen zum Voranschlag und Rechnungsabschluss deutlich ausgeweitet. Insbesondere einige vermögensbezogene Anlagen müssen erstmalig erstellt werden. Um ein korrektes und einheitliches Befüllen der Anlagen sicherzustellen, wurden diese für die Neuauflage des Kontierungsleitfadens inhaltlich beschrieben.

Bei jenen Anlagen, welche anhand der Konten des Kontenplans befüllt werden können, wurden den einzelnen Datenfeldern die entsprechenden Konten zugeordnet. Diese Kontenzuordnung ist auch ein wichtiger Hinweis und eine Unterstützung für die EDV-Anbieter. Einige Anlagen wiederum erfordern Informationen aus anderen Dokumenten. So kann zum Beispiel der Leasingnachweis nur anhand der Leasingverträge befüllt werden.

Weitere Werkzeuge für die Umstellung

Ergänzend wurden wichtige Begrifflichkeiten des neuen Haushaltsrechts in einem Glossar gesammelt und beschrieben. Die Begriffsbestimmungen sollen gerade in der intensiven Zeit der Umstellung dabei helfen, Begriffsverwirrungen aufzuklären und einheitliche

Grundlagen schaffen.

Der weiterentwickelte KDZ-Quicktest nach der VRV 2015 wird im Kontierungsleitfaden ausführlich vorgestellt.

Der Kontierungsleitfaden geht online

In Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Finanzen, welches die entsprechende Plattform zur Verfügung stellt, wird derzeit an einer Onlineversion des Kontierungsleitfadens gearbeitet. Diese soll den Kontierungsleitfaden in Buchform ergänzen. Die Onlineversion wird die Ansatz- und Kontenbeschreibungen enthalten. Eine Online suchfunktion ermöglicht es, nicht nur nach Stichworten, sondern auch nach Wörtern innerhalb der Kontenbeschreibungen zu suchen. Neben dem Kontierungsleitfaden der Gemeinden soll auch jener der Länder und des Bundes auf die Plattform gestellt werden. So kann ein gebietskörperschaftsübergreifender Austausch stattfinden. Der Zugang zur Onlineversion soll den österreichischen Städten und Gemeinden im Laufe des 2. Halbjahres 2018 ermöglicht werden.

erschienen in: 
Forum Public Management 2018, Sonderausgabe, Seite 20 - 21
Jahr: 
2018