Der kommunale Bauhof - Vom Spaten zum selbstfahrenden Einsatzfahrzeug.

Das Bild der „digitalen Revolution“ befeuert die Diskussion in allen Bereichen unserer Gesellschaft, der Wirtschaft als auch in der öffentlichen Verwaltung. Die Digitalisierung birgt dabei große Chancen als auch Grenzen, die es im Einzelfall auszuloten gilt. Selbstfahrende Einsatzfahrzeuge sind noch nicht Usus, aber welche Potenziale kann die Digitalisierung nun im Bereich der kommunalen Bau- und Wirtschaftshöfe eröffnen?

Der Begriff Digitalisierung bezeichnet im ursprünglichen Sinn das Umwandeln von analogen Werten in digitale Formate. Also: Wenn Ihre MitarbeiterInnen bisher ihre Stundennachweise auf Handzetteln geschrieben haben und sie nun ihre Leistungen über das Handy erfassen, dann ist am Bauhof die Zeit- und Leistungserfassung digitalisiert.

Jene Bauhöfe, die die Zeit- und Leistungserfassung digitalisiert haben, berichten über zahlreiche Vorteile, aber auch Hürden. Zum einen kann der Administrationsaufwand durch den Wegfall von Mehrfacherfassungen deutlich reduziert werden (Ebene MitarbeiterInnen, Bauhofleitung, Personalverrechnung und Buchhaltung). Zum anderen birgt die Transparenz Vorbehalte in Richtung „gläserne/r Mitarbeiter/in“ und die MitarbeiterInnen müssen diese technischen Hilfsmittel auch richtig bedienen können. Ein sorgfältiges Planen ist bei der Umstellung wesentlich.

Keine Zukunftsmusik

Sieht man sich in Österreichs Städten und Gemeinden um, findet man schnell erste Ansätze von zukunftsträchtigen Bauhöfen. Zugegebenermaßen, der voll digitalisierte Bauhof ist noch nicht die Regel, aber erste Basispunkte lassen sich bereits heute, in weiter Verbreitung, von Vorarlberg bis ins Burgenland, ausmachen.

Digitalisierte Prozesse sind auch im Bauhof angekommen. Foto: Shutterstock.com

Im Folgenden einige good-practice Beispiele:

  • Service-Apps – der schnelle Einzelauftrag: Der digitalisierte Bauhof beginnt nicht im Bauhof, sondern bei der Bürgerin bzw. beim Bürger. Entdeckt ein/e Bürger/in einen fehlerhaften Lichtpunkt, bieten zahlreiche Gemeinden bereits die Möglichkeit, die beschädigte Straßenlaterne unmittelbar über ihr Smartphone zu melden. Service-Apps wie „Schau auf Linz“ oder „Schau auf Graz“ erlauben direkt ein Bürgeranliegen einzubringen. Das elektronische Anliegen wird an den Bauhof weitergeleitet, dieser kann daraus einen direkten Auftrag ableiten. MitarbeiterInnen des Bauhofs, die mit mobilen Endgeräten (idR. Smartphones oder Tablets) ausgestattet sind, erhalten anschließend direkt den Arbeitsauftrag. Der Auftrag wird angenommen und dabei wird automatisiert ein Kostenträger im Hintergrund erstellt, auf welchen die erforderliche Arbeitsleistung gebucht werden kann. Damit wird ebenfalls transparent, welcher Aufwand hinter einzelnen Aufträgen und Erledigungen steht. Der Vorteil dieses durchgehend digitalisierten Prozesses ist der Faktor der Unmittelbarkeit.
  • Zugangslösungen – 24 Stunden geöffnet: Bürgerorientierung wird in Österreich durch die Bank groß geschrieben – ohne Zweifel. Dass Bürgerorientierung jedoch auch etwas kostet, darf nicht vergessen werden. Digitalisierte Lösungen erlauben hier automatisierte Systeme, mit welchen die Kosten begrenzt werden können. Dabei ist an digitale Zugangslösungen zu denken z. B. zu einem Altstoffsammelzentrum. Mit einer Berechtigungskarte kann dieses rund um die Uhr genutzt werden – ebenfalls kann über die Karte erfasst werden, in welchem Ausmaß das Sammelzentrum durch Berechtigte genutzt wird.
  • Betriebsmittel effizient steuern: Jeder Bauhof braucht Betriebsmittel. Sei es nun Streusalz für den Winterdienst, Schmiermittel für die Fahrzeuge oder Schutzbekleidung für die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Elektronische Bestandsverwaltungsprogramme zeigen frühzeitig Engpässe und ermöglichen einen zeitgemäßen Einkauf von erforderlichen Bedarfen – oder vermeiden, dass gerade in der Winterzeit bei höheren Preisen neues Salz beschafft werden muss – also ein Aspekt der Beschaffungseffizienz.
  • Sicherheit & Risikomanagement: Haftungsrisiken sind für Gemeinden stets präsente Risiken. Diese beschränken sich häufig aber nicht nur auf eine Abteilung oder Person. In Form des Organisationsverschuldens kann sich ein Risiko bis zur Bürgermeisterin oder zum Bürgermeister durchschlagen. Passiert etwa ein Unfall auf einer Gemeindestraße im Winter, artet die Schuldfrage mitunter zum Streitthema aus. In Form von digitalisierten Lösungen – einer GPS Dokumentation der Fahrwege – kann sichergestellt werden, dass die Schneeräumung in entsprechender Sorgfalt erledigt wurde und hilft somit auch im Worst Case, wenn ein Streitfall bis zum gerichtlichen Prozess eskaliert. Auch Baumkataster mit Dokumentation der durchgeführten Pflegemaßnahmen helfen – natürlich nur sofern ordnungsgemäß durchgeführt – bei Unfällen, die Wahrnehmung der gebotenen Sorgfaltsmaßnahmen eindeutig nachzuweisen. Automatisierte Fernwartungs- und Überwachungssysteme – beispielsweise bei Wasserwerken – zeigen an, wann in einem Hochbehälter der Wasserstand ein kritisches Niveau erreicht. Die Verständigung erfolgt vollautomatisiert an die/den zuständige/n Mitarbeiter/ in, der umgehend und proaktiv tätig werden kann, um einen Trinkwasserengpass zu vermeiden.
  • Die interne Steuerung: Nicht zuletzt lässt sich durch eine digitale Betriebsführung auch die interne Steuerung maßgeblich optimieren. Mitarbeiterstunden können effektiv über Smartphone-Lösungen erfasst und direkt auf Kostenträger gebucht werden. Leistungsbezogene Stunden können mit Standards und Katastern hinterlegt werden und zur Arbeitsplanung eingesetzt werden, Soll-/Ist-Vergleiche ermöglichen Abweichungsanalysen für die verantwortlichen Entscheidungsträger.

    Und zu guter Letzt ermöglichen derartige Systeme auch eine Optimierung der Personalbedarfsplanung. Werden zusätzliche Grünflächen geschaffen, kann über den Betreuungsstandard das notwendige „Mehr“ an Leistungsstunden errechnet werden (und die damit verbundenen Kosten). Muss andererseits eine Grünfläche nicht mehr betreut werden, kann auch direkt das Konsolidierungspotential abgeleitet werden.

Digital, aber mit Hausverstand

Bei all den genannten Möglichkeiten des digitalen Zeitalters, gilt es dennoch eine überlegte Herangehensweise zur verstärkten Digitalisierung des Bauhofs zu wählen. Es sollten strukturiert die Schwachstellen eines Bauhofs identifiziert und anschließend die passenden digitalen Lösungen vorbereitet und implementiert werden. Pauschale – „onesize-fits-all“ Lösungen führen vor dem Hintergrund der Spezifika kommunaler Bau- und Wirtschaftshöfe selten zum Erfolg.

erschienen in: 
Forum Public Management 2018, 1, S. 8 12 - 14
Jahr: 
2018