# Bonitätsranking der österreichischen Gemeinden: Verteilung nach Größenklassen und Bundesländern

Wie im Bonitätsranking der Gemeinden 2014 liegen auch im Ranking 2015[1] auf den ersten Blick vor allem kleine Gemeinden (104 Gemeinden mit 1.001 bis 2.500 EW[2]) im ersten Zehntel (Dezil) des Rankings. Eine vertiefende Betrachtung nach Bundesländern und Größenklassen zeigt - auf Basis von relativen Zahlen- ein differenzierteres Bild.

Da es insgesamt mehr kleine als große Gemeinden in Österreich gibt, wird hier der Anschein erweckt, dass die kleinen Gemeinden überrepräsentiert sind. Ähnlich verhält es sich mit den Gemeinden des Bundeslandes Niederösterreich. Tabelle 1 zeigt die Anzahl der Gemeinden nach Größenklassen und Bundesland.

Tabelle 1: Anzahl der Gemeinden nach Größenklasse und Bundesland

Quelle: Statistik Austria; KDZ – eigene Darstellung 2015.

  • Nach Größenklassen

Da es mehr kleine als große Gemeinden gibt, sind auch im Bonitätsranking mehr kleine (29 Gemeinden mit bis zu 1.000 EW) als große (3 Gemeinden mit über 10.000 EW) Gemeinden im ersten Dezil enthalten. In relativen Zahlen sind die genannten Gemeindegrößen mit jeweils 7 bzw. 5 Prozent ihrer Größenklasse im gleichen Ausmaß im ersten und damit besten Dezil repräsentiert.

In Summe zeigt sich eine relativ gleichmäßige Verteilung mit folgenden Besonderheiten:

  1. Der höchste Anteil im ersten Zehntel (höchste Bonität) haben Gemeinden zwischen 2.501 und 5.000 EW – 13 Prozent der Gemeinden dieser Größenklassen weisen eine hohe Bonität auf. Den geringsten Anteil haben die Gemeinden bis 1.000 EW sowie über 10.000 EW mit 7 bis 5 Prozent.
  2. Den höchsten Anteil im letzten Zehntel (das sind die schlechtesten 210 Gemeinden) haben die Gemeinden bis 1.000 Einwohner (19 Prozent ihrer Größenklasse) bzw. über 10.000 EW (13 Prozent ihrer Größenklasse). Den geringsten Anteil weisen die Gemeinden zwischen 2.501 und 5.000 EW auf (5 Prozent).

Dieses Bild liegt in folgenden Fakten begründet: Gemeinden bis 1.000 EW sind tendenziell finanzschwach, weisen jedoch aufgrund struktureller Probleme hohe Ausgaben je EW auf. Gemeinden über 10.000 EW sind grundsätzlich finanzkraftstark, tragen jedoch hohe Transferlasten an die Länder und indirekt an die kleineren Gemeinden. Sie weisen zudem hohe Ausgaben für zentralörtliche Aufgaben aus die im Finanzausgleich unzureichend abgegolten werden.

Die Gesamtschau des Bonitätsrankings zeigt, dass sich die Gemeinden – bis auf die Ausreißer in den genannten Größenklassen – relativ gleichmäßig auf die einzelnen Dezile verteilen.

Abbildung 1: Anteil der Gemeinden je Größenklasse in den einzelnen Dezilen

Quelle: Statistik Austria; KDZ – eigene Berechnungen 2015.

  • Nach Bundesländern

Die besten Bonitätswerte weisen die Gemeinden im Burgenland und in Salzburg auf. Im Burgenland sind 22 Prozent der Gemeinden im ersten Dezil (höchste Bonität), mehr als ein Drittel ist im obersten Fünftel und nur drei Prozent im untersten und damit schlechtesten Fünftel. Die Ursachen liegen für die burgenländischen Gemeinden nicht in der Finanzkraft, die im Österreichvergleich gering ist. Sie liegen insbesondere in den sehr geringen laufenden Transferzahlungen an das Land (beispielsweise müssen für die Krankenanstalten 10 Prozent des Betriebsabgangs von den Gemeinden getragen werden) wie in den geringen Personal- und Sachausgaben. Außerdem hat sich der Verkauf der BEGAS-Anteile im Jahr 2012 positiv auf die burgenländischen Gemeindefinanzen ausgewirkt.

In Salzburg finden sich 16 Prozent der Gemeinden im ersten Dezil, mehr als ein Drittel im obersten Fünftel sowie lediglich acht Prozent im untersten Fünftel. Die Begründung dafür ist in Salzburg etwas anders: eine hohe Finanzkraft ist den hohen Ertragsanteilen (aufgrund des höheren Steueraufkommens) sowie gemeindeeigenen Steuern (aufgrund der Wirtschaftskraft) geschuldet; die Transfers sind in den letzten Jahren aufgrund landesinterner Reformen geringer angestiegen. Weiters führt der Bevölkerungszuwachs zu steigenden Einnahmen.

Die geringsten Bonitätswerte weisen die Gemeinden in Kärnten und Oberösterreich auf. In Kärnten sind zwei Prozent der Gemeinden im ersten Dezil, fünf Prozent im obersten Fünftel sowie mehr als die Hälfte der Gemeinden im schlechtesten Fünftel. Die Ursachen dafür liegen in der geringeren Finanzkraft (weniger Ertragsanteile sowie gemeindeeigene Steuern), strukturellen Problemen aufgrund der schrumpfenden Bevölkerungszahl sowie sehr hoher Transferzahlungen an das Land. In Oberösterreich sind vier Prozent der Gemeinden im ersten Dezil, neun Prozent im obersten Fünftel sowie 18 Prozent im untersten Fünftel. Die an sich hohe Finanzkraft wird durch die höchste Transferlast im Österreichvergleich sowie die kleinteilige Gemeindestruktur und die damit verbundenen hohen ordentlichen Ausgaben je EW der Gemeinden unter 1.000 EW mehr als kompensiert.

Abbildung 2: Anteil der Gemeinden nach Bundesland in den einzelnen Dezilen

Quelle: Statistik Austria; KDZ – eigene Berechnungen 2015.

In den anderen Bundesländern zeigen sich unterschiedliche Trends. In Tirol sind die Gemeinden mehrheitlich in der oberen Hälfte. In der Steiermark und in Vorarlberg weisen die Gemeinden tendenziell ein schlechteres Bild aus – ein Großteil der Gemeinden befindet sich in den unteren fünf Dezilen. In Niederösterreich zeigt sich ein homogenes Bild, hier sind rund 10 Prozent der Gemeinden in jedem Dezil.

  • Zusammenfassend zeigt sich, dass die Bonität bzw. wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von einer Vielzahl von Faktoren abhängt:
  1. Wirtschaftskraft - bestimmt die Höhe der gemeindeeigenen Steuern wie auch der Ertragsanteile;
  2. Primärer Finanzausgleich – bestimmt die Höhe der Ertragsanteile;
  3. Demografische Entwicklung – führt zu höheren oder niedrigen Ertragsanteilen, hat auch Auswirkungen auf die Ausgabenseite;
  4. Transferregime in den einzelnen Ländern – während die oberösterreichischen Gemeinden mehr als 485 Euro je EW an Krankenanstalten-, Landes- und Sozialhilfeumlagen zahlen müssen, tragen die burgenländischen bzw. steirischen Gemeinden rund 246 bzw. 211 Euro je EW;
  5. Gemeindemanagement – dies hängt von der Kompetenz und Bereitschaft in den einzelnen Gemeinden ab – unabhängig von der Region.

 


[1] Publiziert von public, Sonderausgabe 2015 [www.gemeindemagazin.at]

[2] EW= Einwohnerinnen und Einwohner