Big Data - Über die unterschiedlichen Rollen, die die öffentliche Verwaltung in diesem Thema einnimmt.

Wir leben im Zeitalter der ständig steigenden Datenmengen. Unter dem Schlagwort „Big Data“ werden nicht nur technische Aspekte beschrieben, sondern es ist auch eine neue Sichtweise auf Erzeugung, Nutzung sowie Förderung und Reglementierung von Daten notwendig, die Eingang in die öffentlichen Verwaltungen finden.Sich der unterschiedlichen Rollen bewusst zu werden, die der öffentliche Sektor in Bezug auf Big Data innehat, hilft dabei, den Überblick zu bewahren.

Grundlagen

Big Data umfasst sämtliche Bemühungen, vorwiegend aber den Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT), zur Gewinnung von Erkenntnissen aus zumeist sehr großen, sich schnell ändernden und unterschiedlich strukturierten Daten.“ so definiert das österreichische Positionspapier zu Big Data in der öffentlichen Verwaltung den Begriff Big Data1. Die Trivialdefinition „zu groß für eine Excel-Tabelle“ greift deutlich zu kurz, daher wird die Frage, was „big“ bedeutet, durch folgende Eigenschaften charakterisiert:

  • Volume = Umfang. Hier ist nicht nur der Umfang eines einzelnen Datensatzes gemeint, sondern generell auch der Umfang der heutzutage verfügbaren Datenmengen.
  • Variety = Komplexität. Bezeichnet unterschiedlichste Datenformate und unterschiedlichste Arten von Strukturiertheit bis hin zu völlig unstrukturierten Text-, Bild- oder Videodaten.
  • Velocity = Schnelligkeit. Es stehen nicht nur viele Daten wesentlich rascher zur Verfügung, bis hin zu Echtzeit-Daten, sondern es müssen auch wesentlich rascher Erkenntnisse daraus gezogen werden können.

 

Abb. 1: Data.gv.at – das Datenportal der öffentlichen Verwaltung in Österreich. Quelle: https://www.data.gv.at/infos/zielsetzung-data-gv-at/

 

Die ursprünglichen drei „V“ wurden später je nach Quelle noch erweitert

  • Value = Mehrwert. Aus den Daten soll Mehrwert für die Organisation gewonnen werden.
  • Veracity = Richtigkeit. Dabei geht es um die Richtigkeit der zugrundeliegenden Daten, ebenso wie die Korrektheit der daraus gewonnenen Schlüsse.

seltener werden auch weitere „V“s erwähnt

  • Variability = Veränderlichkeit. Bezeichnet Inkonsistenzen in Daten.
  • Validity = Gültigkeit. Gültigkeit der Daten für den jeweiligen Anwendungsfall.
  • Volatility = Flüchtigkeit. Gemeint ist die Frage, wie lange Daten gespeichert werden sollen und wie lange sie für die Fragestellung relevant sind.
  • Visualisation = Visualisierung.

Die Tatsache, dass es keine abschließende, allgemein anerkannte Begrifflichkeit gibt, zeigt die Dynamik des Themas. Die wesentliche Frage für das Management öffentlicher Institutionen ist allerdings: Welche Auswirkungen hat Big Data auf die Art und Weise unserer Leistungserbringung? Hier ist es hilfreich, sich der unterschiedlichen Rollen der öffentlichen Verwaltung in Bezug auf Big Data zu vergegenwärtigen: Öffentliche Stellen können Produzenten und Konsumenten von Daten sein, sie können Daten reglementieren und fördern.

Öffentlicher Sektor als Produzent

Seit einigen Jahren geben öffentliche Stellen in wesentlich größerem Umfang als bisher Daten heraus, insbesondere in Form von „Open Government Data“ (OGD), also frei verfügbaren Datensätzen. Das österreichische OGD-Portal data.gv.at listet derzeit über 2.000 Datensätze von Gemeinden, Ländern und Bundeseinrichtungen auf (siehe Abbildung). Im Rahmen der Vorbereitung von Veröffentlichungen wird ein detaillierter Blick auf die eigenen Daten nötig. Das Open-Government-Vorgehensmodell des KDZ2 liefert dabei Unterstützung: anhand von acht Kriterien kann eingeschätzt werden, ob sich ein Datensatz für die Veröffentlichung eignet.

 

Anmerkungen:

Vgl. https://www.ref.gv.at/fileadmin/user_upload/Positionspapier_-_Big_Data_in_der_oeffentlichen_Verwaltung.pdf [Download: 30.03.2017]

Vgl. https://www.kdz.eu/de/open-government-vorgehensmodell [Download: 30.03.2017


erschienen in: 
Forum Public Management 2017, 1, S. 14 - 16
Jahr: 
2017