CAF 2013: Was gibt es Neues?

Der neue CAF 2013 wurde im September dieses Jahres in englischer Sprache veröffentlicht. Die neue Version ist eine sanfte Weiterentwicklung, welche die Struktur nicht verändert und somit die Vergleichbarkeit mit dem CAF 2006 sicherstellt. Das Ziel war, aktuelle Herausforderungen des Public Management wie Ethikmanagement, BürgerInnenbeteiligung und Corporate Social Responsibility deutlicher zum Ausdruck zu bringen und den CAF verständlicher zu machen.

Der CAF setzt sich weiterhin aus neun Themenfeldern und 28 Kriterien zusammen. Angepasst wurden vor allem die über 200 Beispiele, welche die einzelnen Kriterien erläutern. Neu ist auch, dass es für jedes Kriterium nun einen Einleitungstext und ein erweitertes Glossar gibt. Die wichtigsten Neuerungen werden hier im Detail vorgestellt.

Kooperation und Koordination von Prozessen

Themenfeld 5 „Prozesse“ weist die wichtigsten Änderungen auf. Kriterium 5.3 ist inhaltlich neu gestaltet und umfasst die Koordination und Kooperation, welche in der alten CAF-Version nicht deutlich zum Ausdruck gekommen sind. Unter dem Titel „Prozesse in der Organisation und mit anderen relevanten Organisationen koordinieren“ deckt Kriterium 5.3 somit den neuen inhaltlichen Bereich Koordination und Kooperation ab. Die bislang im Kriterium 5.3 behandelten Prozessinnovationen wandern etwas abgewandelt in das Kriterium 5.1 „Prozesse laufend identifizieren, gestalten, steuern und innovative Neuerungen vornehmen; dabei die Interessengruppen einbeziehen“. Insgesamt wird Themenfeld 5 konsistenter und verzichtet auf Wiederholungen, wie dies zuvor im CAF 2006 der Fall war.

„Aus Indikatoren werden Beispiele – Bewertung auf Kriterienebene.“

Soziale Ergebnisse – Verantwortung der Organisation

Beim schnellen Durchsehen des CAF 2013 fällt die neue Bezeichnung des Themenfelds 8 auf. Anstatt der alten Bezeichnung „Gesellschaftsbezogene Ergebnisse“ wird in Anlehnung an den englischen Begriff „Corporate Social Responsibility“ die Übersetzung „Soziale Verantwortung der Organisation“ gewählt. Inhaltlich ist dies zwar nicht neu, aber eine deutliche Klarstellung: Themenfeld 8 deckt die über den engen Leistungsauftrag hinausgehenden Wirkungen der Organisation ab. Gerade der öffentliche Sektor hat hier eine hohe Verantwortung wahrzunehmen, welche in der täglichen Arbeit oftmals nicht erkannt wird. Beispielhaft seien hier die Vorbildwirkung für den Arbeitsmarkt, der Umweltschutz oder die Stärkung der demokratischen Legitimität erwähnt. Diese Klarstellung hat Konsequenzen für die Beurteilung der „Wirkungsorientierung“. Diese spiegelt sich nun im Themenfeld 8 und im Themenfeld 9 „Leistungsergebnisse der Organisation“ wider.

Aus Indikatoren werden Beispiele

Eine zentrale Änderung im Ablauf des CAF ist der Umgang mit den Indikatoren. Diese werden nun dem englischen „Example“ folgend „Beispiele“ genannt. Das hat Auswirkungen auf den Bewertungsvorgang. Der CAF 2013 geht davon aus, dass die Bewertung auf Ebene der 28 Kriterien und nicht mehr von allen 200 Beispielen durchgeführt wird. Die Beispiele dienen als nähere Erläuterung und zum besseren Verständnis der Kriterien. Sie finden demnach Eingang in den Bewertungsprozess, da diese Teil der Konsensdiskussionen sind. Von einer Einzelbewertung der 200 Indikatoren wird jedoch Abstand genommen. Dies ermöglicht prägnantere und auf inhaltliche Diskurse ausgerichtete Bewertungen. Es ändert sich aber nicht nur die Bezeichnung in „Beispiele“. Hier sind auch die wichtigsten inhaltlichen Änderungen des CAF 2013 zu finden. Die Beispiele sind zu einem großen Teil neu formuliert und erweitert. Einige wurden gestrichen, bei anderen die Reihenfolge geändert.

„CAF 2013 berücksichtigt Ethik, BürgerInnenbeteiligung, Gender, Corporate Social Responsibility.“

BürgerInnenbeteiligung und Ethikmanagement

Ausgewählte Kriterien wurden sprachlich verfeinert, sodass wichtige Themen konkreter angesprochen werden. Die BürgerInnenbeteiligung spiegelt sich in den Kriterien und Beispielen differenzierter wider. So ist das Co-Design im Kriterium 5.1 (Einbeziehung von Interessengruppen in die Prozessgestaltung) und die Co-Production im Kriterium 4.2 (Partnerschaften mit BürgerInnen und KundInnen) deutlicher enthalten. Ethikmanagement und Korruptionsprävention kommen im Themenfeld 1 „Führung“ deutlicher zum Ausdruck. Change Management ist nun in den Kriterien 1.2 (Die Organisation, ihre Leistungsfähigkeit und kontinuierliche Verbesserung steuern) sowie 2.4 (Innovation und Veränderung planen, umsetzen und überprüfen) sichtbarer. Gender- und Diversitymanagement hat in mehreren Beispielen Eingang gefunden, womit zum Ausdruck kommt, dass diese Aspekte in allen Phasen des Planens, Umsetzens und Messens verankert sein müssen.

Wahrnehmungs- und Leistungsmessung

Eine inhaltliche Präzisierung findet sich bei den Ergebnis-Themenfeldern. Die Themenfelder 6 „BürgerInnen- und KundInnenbezogene Ergebnisse“, 7 „MitarbeiterInnenbezogene Ergebnisse“ und 8 „Soziale Verantwortung der Organisation“ unterscheiden nun konsequent zwischen Wahrnehmungs- und Leistungsmessungen (englisch: Perception and Performance Measurement). Somit wird nun noch klarer gestellt, dass neben der Messung der Leistungsergebnisse in der Organisation intern, auch die Wahrnehmungsmessung der BürgerInnen, KundInnen, MitarbeiterInnen und Interessengruppen direkt – sprich externe Messungen – stattzufinden haben.

CAF Aktionsplan notwendig

Inhaltlich kommt die Exzellenz-Philosophie, welche im CAF steckt stärker zum Ausdruck. Die neue Einleitung verweist dezidiert die acht Grundsätze der Exzellenz1, welche den Konnex zum CAF-Gütesiegel herstellen. Das CAF-Gütesiegel ist somit vollständig in den CAF 2013 aufgenommen worden. Die für die Anwendung wichtigste Klarstellung bezieht sich auf den CAF-Aktionsplan. Der CAF 2013 stellt den Unterschied zwischen Verbesserungsmaßnahmen und Aktionsplan klar. Konkret bedeutet dies, dass nach der Durchführung der CAF-Selbstbewertung eine Liste mit Verbesserungsmaßnahmen zu erstellen ist. Danach verlangt der CAF 2013 die Erarbeitung eines CAF-Aktionsplans, in dem Zeitpläne, Verantwortlichkeiten, Ressourcen und konkretere Erläuterungen zu den einzelnen Verbesserungsmaßnahmen festgelegt und mit der Führung abgestimmt sind.

Weitere Schritte

Derzeit liegt der CAF 2013 nur in englischer Sprache vor.2 Er soll durch das Bundeskanzleramt bis Anfang 2013 übersetzt werden und danach im Rahmen einer CAF-Veranstaltung präsentiert werden.

Anmerkungen:

  1. Vgl. dazu: http://olev.de/q/8_qm-grunds-vergl.htm [Download: 17.10.2012].
  2. http://www.caf-zentrum.at [Download: 17.10.2012].
erschienen in: 
Forum Public Management 2012, 4, S. 17-18
Jahr: 
2012