Bio, fair & öko: „ÖkoKauf Wien“ – Das Programm zur Ökologisierung der Beschaffung der Stadt Wien

Im Sinne einer lebenswerten Umwelt und des Klimaschutzes wurde von der Stadt Wien 1998 das Programm „ÖkoKauf Wien“ ins Leben gerufen. Ziel von „ÖkoKauf“ ist,   für möglichst viele Produktgruppen und Leistungen, welche von der Stadt Wien beschafft werden, ökologische Bewertungskriterien und Ausschreibungstexte zu entwickeln bzw. den aktuellen Marktentwicklungen anzupassen.

Die Stadt Wien erfüllt durch ihren ökologischen Einkauf eine Vorreiterrolle und Vorbildfunktion im Umweltschutz. Ein geringerer Energie- und Ressourcenverbrauch über die gesamte Lebensdauer eines Produktes bringt weitgehende Kosteneinsparungspotenziale mit sich.

Eine geringere Umweltbelastung führt in der Regel auch zu weniger Gesundheitsschäden. Durch die Reduzierung von Umwelt- und Gesundheitsschäden werden Folgekosten vermieden. Auf diese Weise ist durch die Ökologisierung der Beschaffung für die gesamte Gesellschaft ein erheblicher volkswirtschaftlicher Nettonutzen zu erreichen.

"Die Stadt Wien kauft pro Jahr Waren im Wert von rund € 5 Mrd."

Jahr für Jahr investiert die Stadt Wien rund 5 Mrd. Euro in eine Vielzahl von Produkten, Waren und Leistungen. Mit dem Ankauf so großer Warenmengen ist auch eine Marktmacht verbunden, die es ermöglicht, auf die Qualität der Produkte und die Ausweitung des Angebotes Einfluss zu nehmen. Mit ihrem umweltfreundlichen öffentlichen Auftragswesen ist die Wiener Stadtverwaltung ein Vorbild für Wirtschaft, Handel und VerbraucherInnen. Außerdem trägt ein ökologisches Einkaufsprinzip dazu bei, Innovationen anzuregen, die sich auf den Märkten – auch außerhalb des Bereichs der öffentlichen Hand – als umweltgerechte, zukunftsfähige Waren, Verfahren und Dienstleistungen etablieren und positive Beschäftigungseffekte entfalten können.

Mit klaren Kriterien zum Ziel

Das zentrale Steuerungsinstrument sind die von „ÖkoKauf Wien“ ausgearbeiteten Kriterienkataloge. Sie listen die Anforderungen auf, die an Produkte und Leistungen zu stellen sind – hinsichtlich Umweltfreundlichkeit, Gebrauchstauglichkeit, Wirtschaftlichkeit, Qualität und Arbeitnehmerschutz. Diese Kriterienkataloge sind für die Dienststellen der Stadt Wien verbindlich. So ist sichergestellt, dass beim Einkauf bzw. bei der Vergabe von Aufträgen durch die Stadtverwaltung der ökologische Aspekt ausreichend berücksichtigt wird.

Nach „außen“ wirkt „ÖkoKauf Wien“ durch breite Öffentlichkeitsarbeit. Dabei wird über die Notwendigkeit umweltgerechten Einkaufens ebenso informiert, wie über ökologische Maßnahmen, die der Einzelne setzen kann.

ÖkoKauf setzt auf kontinuierliche Bewerbung

Die praktische Arbeit an den Kriterienkatalogen wird in fachspezifischen Arbeitsgruppen – zu einer breiten Palette an Themen (von Hoch-/Tiefbau, über Fuhrpark und Büromaterialien bis hin zu Reinigungsmitteln, Möbeln oder Textilien) – von ExpertInnen aller relevanten Dienststellen, Organisationen aus dem Nahbereich der Stadt Wien sowie externer Organisationen durchgeführt.

Bio in öffentlichen Einrichtungen

Beim Produktbereich Lebensmittel umfassten die Schwerpunkte der letzten Jahre die Themen Erhöhung des Bio-Anteils in Großküchen, Verwendung von fair gehandelten Produkten, Gentechnikfreiheit und Bewusstseinsbildung. Als Ergebnis konnte der Anteil an biologischen Lebensmitteln z.B. in den Kindertagesheimen auf über 50% gesteigert werden.

Zum Thema Bewusstseinsbildung wurde neben den „klassischen“ Materialien der Öffentlichkeitsarbeit (Folder, Plakate, Broschüren) auch eine pädagogische Spielesammlung – die BIOBOX – produziert. Sie ist ein wichtiger Baustein in der Erziehungsarbeit an Kindergärten und umfasst Karten- und Legespiele, einfache Gruppenspiele und vieles mehr, womit sie die Kinder für die Grundlagen des natürlichen Ernährungskreislaufs und der biologischen Landwirtschaft interessieren soll. Die BIOBOX ist aber nicht nur als Beitrag zur Bewusstseinsbildung von Kindern gedacht – durch den Einsatz der Spiele werden auch die Eltern und KindergärtnerInnen für das Thema biologische und gesunde Ernährung sensibilisiert.

„Die BIOBOX soll nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene für das Thema biologische und gesunde Ernährung sensibilisieren.“

„ÖkoKauf Wien“ wirkt – auch international ...

Wien nimmt mit „ÖkoKauf Wien“ im internationalen Vergleich eine Vorreiterrolle ein. Dementsprechend gibt es inzwischen laufend internationale Anerkennung – bis zu einer Einladung der Weltbank (im Mai 2012), die nun auch auf das Expertenwissen aus Wien setzt. Zudem wurden „ÖkoKauf Wien“Kriterien bereits in der Vergangenheit von der Europäischen Kommission als Vorbild herangezogen.

„Wien nimmt mit „ÖkoKauf Wien“ im internationalen Vergleich eine Vorreiterrolle ein.“

In diesem Zusammenhang war 2011 ein besonderes Jahr für das Programm. „ÖkoKauf Wien“ erhielt im Vorjahr sowohl den renommierten Verwaltungspreis EPSA 2011 (European Public Sector Award) also auch den von UN-HABITAT verliehenen „Dubai International Award for Best Practices“. Die EPSA-Auszeichnung honoriert besonders innovative und beispielgebende Initiativen auf Verwaltungsebene und soll andere Verwaltungen zur Nachahmung motivieren. „ÖkoKauf Wien“ hat die EPSA-Jury besonders durch die europaweite Vorreiterrolle, die breite verwaltungsinterne Verankerung und die nachweisbaren finanziellen Einsparungen beeindruckt. Damit wurde erstmals eine Einreichung aus Österreich mit dem begehrten Verwaltungspreis ausgezeichnet.

Die Kriterien und weitere Informationen sind auch im Internet unter www.oekokauf.wien.at abrufbar.

Ad personam

DI Eva Persy, M.Sc., MBA leitet in der Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22) den Bereich Nachhaltige Entwicklung. Zu ihren Aufgabenbereichen gehört u.a. die internationale Vertretung von „ÖkoKauf Wien“. Die weiteren Aktivitäten der Nachhaltigkeitskoordinationsstelle finden sich unter www.wien.at/umweltschutz/nachhaltigkeit

erschienen in: 
Forum Public Management 2012, 3, S. 18-20
Jahr: 
2012