„respect – we are one“: Jung und Alt in Kapfenberg

Seit März 2010 wird in Kapfenberg erfolgreich ein intergeneratives Projekt durchgeführt. In vorbereitenden Workshops wurde von den Beteiligten der Projektname „respect – we are one“ erarbeitet, der eine grundsätzliche Haltung der Generationen ausdrückt. Dabei wurden die wichtigsten Eckpfeiler der Projektgestaltung festgelegt.

Die ProjektteilnehmerInnen können sowohl im Rahmen von regelmäßig stattfindenden Aktivtreffs gemeinsam etwas unternehmen, als auch in sozialen Organisationen ehrenamtlich mitarbeiten.

Bei den Aktivitäten von Jung und Alt wurde gemeinsam eingekauft, gekocht und danach gegessen. Bei unterschiedlichen Themennachmittagen wurde gebastelt, gespielt, diskutiert oder gemeinsam ein Film angesehen.

Unsere Partnerinstitutionen, die Kindergärten der Stadtgemeinde Kapfenberg, die Alten- und Pflegeheime, Jugend am Werk, die Möbelbörse, die Lebenshilfe Bezirk Bruck-Lebendige Dienste, die Caritas (Carla) und das Neurologische Therapiezentrum Kapfenberg, entlasten durch den Einsatz der Freiwilligen ihr Stammpersonal, ermöglichen einen Einblick in ihren Arbeitsbereich und bringen durch das Mitwirken der ProjektteilnehmerInnen Abwechslung in den Alltag ihrer Klienten.

Ebenso wurden begleitend Schulungen bzw. Workshops für Jugendliche und SeniorInnen in den drei Haupttätigkeitsbereichen (Kinder, pflegebedürftige und behinderte Menschen) angeboten und absolviert.

Als Anerkennung für ihr Engagement erhalten Jugendliche sowie SeniorInnen Points, die sie bei unseren Kooperationspartnern wie zum Beispiel dem Kinocenter, bei Mc Donald´s, bei verschiedenen Sportvereinen, in der Fahrschule, im Einkaufscenter und im Kulturzentrum etc. einlösen können. Pro freiwillig geleisteter Stunde wird ein Point vergeben, dieser hat einen Gegenwert von einem Euro.

Ausbildung BabysitterIn März 2010
Quelle: ISGS Drehscheibe

Die Projektpartner, also die Wirtschaftsbetriebe und öffentlichen Einrichtungen, wollen sich sozial engagieren, möglicherweise neue Zielgruppen erreichen und ihr Image verbessern.

Mittlerweile sind über 90 Personen beim Projekt registriert. Die meisten SeniorInnen machen Besuchsdienste in Pflegeheimen, vor allem Jugendliche engagieren sich lieber in Kindergärten. Es wurde aber auch eine Stadtsäuberung mit Jugendlichen durchgeführt oder an einem gemeinsamen Filmprojekt gearbeitet. Bei einem besonders innovativen Kindergarten, der viele Außenaktivitäten wie Waldwochen oder einen Schwimmkurs durchführt, wäre ohne unsere Freiwilligen so manches gar nicht mehr möglich.

Die TeilnehmerInnen wurden durch das Projektteam unterstützt, jenen Bereich zu finden, der für sie am besten passt. In den einzelnen sozialen Organisationen stehen ihnen AnsprechpartnerInnen zu Verfügung, die sie mit den „Spielregeln“ in der Institution vertraut machen und sie dann in ihrer Tätigkeit begleiten.

„Durch die gemeinsame Arbeit von Jugendlichen und SeniorInnen werden die Generationen für die anderen Lebenswelten sensibilisiert.“

Im Projekt „respect“ werden immer wieder neue Angebote entwickelt. Beispielsweise wurde seit dem Frühjahr 2011 eine Aufgabenbetreuung für Volksschulkinder eingerichtet, wobei vor allem MigrantInnen von freiwilligen „respect“-TeilnehmerInnen betreut werden. Weiters entstand in einem Seniorenwohnhaus ein wöchentlicher Treffpunkt für Jung und Alt.

Neue TeilnehmerInnen werden durch Projektpräsentationen in Schulen gewonnen, durch die begleitende Öffentlichkeitsarbeit, durch die Zusammenarbeit mit anderen ortsansässigen Institutionen. Auch über Mundpropaganda stoßen neue TeilnehmerInnen dazu.

Gut für Alt und Jung

Durch die Bereitstellung eines vielfältigen Betätigungsfeldes wird die Lebensqualität der SeniorInnen verbessert und die Selbstwirksamkeit von Jugendlichen gesteigert.

Volkschulkinder werden bei der Aufgabenstunde betreut
Quelle: ISGS Drehscheibe

SeniorInnen behalten dabei eine positive Perspektive im Leben. Sie erfahren, dass sie etwas bewirken können und sich mit ihrem Erfahrungsschatz als wichtigen Teil der Gesellschaft fühlen. Sie werden dadurch besser in den aktiven Alltag integriert und haben das Gefühl auch gebraucht zu werden.

Jugendliche entwickeln ein aktives und engagiertes Freizeitverhalten und lernen, dass sie durch aktive Partizipation etwas bewegen können. Sie haben die Möglichkeit praktische Erfahrungen zu sammeln, welche ihnen auch bei ihrer Berufsorientierung förderlich sein können. Die ehrenamtlichen Tätigkeiten werden auch in einem bundesweit gültigen Freiwilligenpass vermerkt und das kann dazu beitragen, die Jobmöglichkeiten zukünftig zu erhöhen.

Die unterschiedlichen Generationen erfahren für ihr Engagement kommunale Wertschätzung. Es werden Barrieren zwischen den beiden Generationen abgebaut und das gegenseitige Verständnis füreinander wird gestärkt.

Respekt den anderen gegenüber
Quelle: ISGS Drehscheibe

Trägerorganisation des Projektes „respect – we are one“ ist die ISGS Drehscheibe in Kapfenberg, Grazer Straße 3, 8605 Kapfenberg, 03862/21500, office@isgs.at, http://www.isgs.at, http://www.we-respect.at.

Die ProjektmitarbeiterInnen MMag. Werner Klaus, Mag. Elisabeth Schöttner und Susanne Mandl stehen gerne für Informationen zur Verfügung.

AutorInnen

  • Susanne Mandl ist seit Januar 2004 in der ISGS Drehscheibe tätig, regionale Gesundheitsmanagerin, Mitarbeit bei Entwicklung und Einführung von M+H Service, Dienstleistung für Mensch und Heim (Pilotprojekt zum Dienstleistungsscheck), seit 2010 hat sie die Projektleitung des Generationenprojektes „respect – we are one“.
erschienen in: 
Forum Public Management 2011, 4, S. 13-15
Jahr: 
2011