ÖREK 2011 – raum für alle: Das Österreichische Raumentwicklungskonzept 2011

Unter dem Motto „raum für alle“ wird derzeit das vierte Österreichische Raumentwicklungskonzept in einem breit angelegten ebenen- und sektorenübergreifenden Bearbeitungsprozess erstellt. „raum für alle“ symbolisiert Offenheit hinsichtlich der Zusammenarbeit und Beteiligung unterschiedlicher AkteurInnen sowie kreativer neuer Ideen für einen sorgsamen Umgang mit dem Raum.

Die Erstellung des Österreichischen Raumentwicklungskonzept (ÖREK) ist neben Beiträgen zur Raumforschung und der Koordinierung raumrelevanter Planungen die Kernaufgabe der Österreichischen Raumordnungskonferenz (ÖROK). Der politische Auftrag zur Erstellung des ÖREK 2011, einem strategischen Steuerungsinstrument und gemeinsamen Leitbild auf gesamtstaatlicher Ebene für raumrelevante Planungen, wurde im Herbst 2008 erteilt. Diesem Auftrag zur Erarbeitung eines neuen ÖREK liegen zwei wesentliche Faktoren zugrunde: Als Kernstück des gesamten Erstellungsprozesses ist die ebenen- und sektorenübergreifende Kooperation aufgrund der hohen Bedeutung von Zusammenarbeit der Gebietskörperschaften zur Lösung von Herausforderungen der räumlichen Entwicklung zu nennen. Die inhaltliche Ausgangsbasis bilden die Ergebnisse, Trends und Herausforderungen des ÖROK Projekts „Szenarien der Raumentwicklung Österreichs 2030“, von denen nun „Zurück in die Gegenwart“ gedacht wird.

Der inhaltliche Bearbeitungsprozess

In den inhaltlichen Bearbeitungsprozess ist eine Vielzahl von Akteuren eingebunden. Als Lenkungsgremium fungiert eine politische Steuerungsgruppe, als begleitendes Fachgremium der ÖROK der Ständige Unterausschuss. Fünf thematische Arbeitsgruppen (AG) haben den inhaltlichen Grundstock des ÖREK 2011 von Herbst 2009 bis Anfang 2010 erarbeitet. Über 100 VertreterInnen von Bund, Ländern, Gemeinden, Städten, Wirtschafts- und Sozialpartnern begleitet durch je eine/ n fachliche/n Experten/in diskutierten und entwickelten gemeinsam erste Strategien und Maßnahmenvorschlägen für die künftige räumliche Entwicklung Österreichs zu den Themenfeldern: Wirtschaftliche Entwicklung, Gesellschafts- und Bevölkerungsentwicklung, Umwelt – Klimawandel – Ressourcen, Verkehrs- und Mobilitätsentwicklung und Raumentwicklungspolitik (siehe Abb. 1).

Abb. 1: Thematische Bearbeitungsfelder ÖREK 2011
Quelle: ÖROK (2010)

Am Weg zum ÖREK 2011 – Das „paper in progress“ (PIP)

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen führte der inhaltliche Koordinator Univ. Prof. Dr. Heinz Faßmann (Universität Wien, Akademie der Wissenschaften) in das „paper in progress“ (PIP) zusammen. Dieses Zwischendokument ist nicht als Draftversion des ÖREK 2011 zu verstehen, sondern stellt einen von vielen wesentlichen Meilensteinen im Gesamtprozess dar. Es spiegelt die Ergebnisse der thematischen AG wider und umfasst Maßnahmenvorschläge gegliedert nach thematischen Handlungsfeldern. Als wirtschaftliche Handlungsfelder wurden regionale Innovationspolitik, Beschäftigungswachstum und Qualifizierung, endogene regionale Potenziale und funktionale regionale Standortentwicklung im PIP festgehalten. Im Bereich künftiger gesellschaftlicher Entwicklung werden mögliche Maßnahmen zu einer raumsensiblen Bildungspolitik, Jugend-, Senioren- und Gesundheitspolitik, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Migration und Integration und einer regionalen Arbeitsmarktpolitik aufgezeigt. Im Rahmen des Bereichs der Verkehrs- und Mobilitätsentwicklung werden Maßnahmen gemäß kompetenzübergreifender, raumpolitischer und verkehrspolitischer Zuständigkeiten dargelegt. Zentrale Kernfelder hinsichtlich „Umwelt – Klimawandel und Ressourcen“ bilden Lärm, Luft und Wasser, Naturkatastrophen, Gefährdung der Infrastruktur als Auswirkung des Klimawandels, Versiegelung, Bodeninanspruchnahme und Freiraumnutzung. Der Bereich der Raumentwicklung und Governance umfasst Vorschläge zur Förderung und Unterstützung kooperativer Strukturen, Stützung des ländlichen Raumes sowie zur Stadtentwicklungspolitik. Aus diesen umfangreichen Maßnahmenvorschlägen soll ein zielgerichtetes Handlungsprogramm für die AkteurInnen im Bereich der Raumentwicklung und Regionalpolitik erarbeitet werden.

Das PIP steht als Download auf der ÖROK Homepage zur Verfügung: http://www.oerok.gv.at/raum-region/oesterreichisches-raumentwicklungskonzept/oerek-2011.html.

Die Reflexionsphase

Im Sinne der dem Gesamtprozess zugrunde liegenden Philosophie „Kooperation“ werden die Inhalte des PIP in der derzeit bis Herbst 2010 laufenden Reflexionsphase in raum-, ebenen- und organisationsübergreifenden sowie fachspezifischen Veranstaltungen in „Dialoggruppen“ reflektiert. Diese sind außerhalb der bestehenden ÖROK Gremien angesiedelt und aus VertreterInnen der Fachabteilungen der Länder, Ministerien, Interessensverbände, NGOs und weiterer Institutionen zusammengesetzt. Die Ergebnisse dieser breit angelegten inhaltlichen Reflexion fließen als elementarer Beitrag in die Erstellung des ÖREK 2011 ein. Das finale „ÖREK 2011 – raum für alle“ wird im Jahr 2011 zur politischen Beschlussfassung vorgelegt werden.

Nähere Informationen sind auf der Website der ÖROK unter http://www.oerok.gv.at abrufbar.

AutorInnen:

  • DI Judith Wittrich (Raumplanerin) ist wissenschaftliche Referentin in der Österreichischen Raumordnungskonferenz (ÖROK) – Geschäftsstelle beim Bundeskanzleramt, Schwerpunkt Forschungsfeld Raumordnung.
erschienen in: 
Forum Public Management 2010, 2, S. 14-15
Jahr: 
2010